Steckbrief - Dionaea muscipula

Licht:
vollsonnig
Wasserbedarf:
hoch, Daueranstau möglich
Luftfeuchtigkeit:
gering - leicht erhöht
Substrat:
Torf-Sand (2:1), oder Torf-Sand-Perlite (2:1:1)
Winterruhe:
Ja, winterhart!
Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula)

Durch ihren beeindruckenden Fangmechanismus zählt die Venusfliegenfalle sicher zu den beliebtesten oder zumindest bekanntesten und im Handel am meisten verbreiteten fleischfressenden Pflanzen. Und das, obwohl sie in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in den USA, zwischen North- und South-Carolina endemisch ist. Zwar existiert nur eine einzige Art, doch sind zahlreiche Kultivare mit verschiedenen Farben und Formen in Kultur.
So konnten sich schon zahlreiche Kinder an den „fliegenfangenden“ Blättern der Pflanze erfreuen, deren Beutefang durch einen Klappmechanismus gesteuert wird: An der Innenseite der Falle, die in ihrer Erscheinung im entferntesten Sinne zweier ausgestreckter, an den Ballen zusammengeführter Hände gleicht, befinden sich eine geringe Anzahl an Triggerhaaren, bei dessen Berührung die Falle ruckartig zusammenklappt und die Beute anschließend durch die Ausscheidung von Verdauungssekreten verdaut.

Venusfliegenfallen
Venusfliegenfallen
Fangmethodik

Erstaunlicherweise ist es der Pflanze darüber hinaus sogar möglich ihre Beute durch den Aufbau der Falle bedingt zu selektieren [1]. Um den Schließmechanismus auszulösen, müssen beispielsweise zwei der Triggerhaare innerhalb von zwanzig Sekunden berührt werden. Kleinstlebewesen wie Ameisen oder Fruchtfliegen sorgen somit nicht für eine Auslösung der Falle und sparen der Pflanze dementsprechend Kraft, da der Energieaufwand für den Schließmechanismus im Verhältnis zu der aus den Kleinstinsekten bezogegenen Energie sehr hoch ist. Vor kurzem haben Forscher jedoch herausgefunden, dass es der Falle auch möglich ist, bei nur einem Reiz der Trigger-Haare zu schließen, wenn die Berührung langsam genug erfolgt [6]. Im geöffneten Zustand sind die Fallen-Blätter noch konvex gekrümmt. Kommt es zur Schließung, so ändert sich die Form der Falle blitzartig und nimmt konkave Gestalt an. Neue Untersuchungen zeigen, dass eine kleine Ameise beim Durchqueren einer Falle der Venusfliegenfalle lediglich ein Todesrisiko von nur 0,04% aufweist. [S. u. I. Hartmeyer] [1,2]! Die borstenähnlichen Ansätze an der Fallenaußenseite, die oftmals auch mit Zähnen verglichen werden, bieten kleiner Beute ebenfalls oft die Möglichkeit zu entkommen, da die Falle bei genauerer Betrachtung an dieser Stelle vorerst unvollständig schließt.

 
venusfliegenfalle-blütenstand
Der Blütenstand der Venusfliegenfalle

Pflege

Diese hochspezialisierten Eigenschaften macht die Venusfliegenfalle als Fliegenfänger eher ungeeignet und eigentlich müsste sie durch ihren erhöhten Fanganteil an Spinnen, die den Großteil der Beute ausmachen, auch eher als „Venusspinnenfalle“ bezeichnet werden. Der lateinische Name „Dionaea muscipula“ hat jedoch historische Gründe und setzt sich aus den griechischen Worten für die Göttin der Venus (Dione) und dem Wort für Mausefalle (muscipula) zusammen. Im achtzehnten Jahrhundert wurde die Venusfliegenfalle, deren Name heute weltweit bekannt ist, umgangssprachlich auch oft Tipitiwitchet genannt, was wohl eine Anspielung auf die weiblichen Genitalien darstellt. [4]

Trotz dieser Spezialisierung ist eine Fütterung der Pflanzen nicht obligatorisch, da sich alle fleischfressenden Pflanzen grundsätzlich auf nährstoffarme Böden (ohne Düngestoffe und Kalk) angepasst haben, was die Entwicklung der Fangorgane zum potentiellen Erhalt zusätzlicher Nährstoffe erst nötig machte.  Da jede Falle nur etwa fünf bis sechs mal schließen kann, bevor sie letzendlich abstirbt, sollte man es aus Liebe zur Pflanze auch vermeiden, den Schließmechanismus manuell auszulösen. Ist die Begierde des Halters jedoch zu groß oder verlangt die Pflanze wie in Howard Ashmen’s und Charles B. Griffith’s Film „Der Kleine Horrorladen“ mit unwiderstehlichem Charme nach Nahrung (Spoiler: Das wird sie in der Realität natürlich nicht tun!), können Mehlwürmer oder kleinere Insekten verfüttert werden. In dem Fall sollte jedoch auf jeden Fall auf Lebendware zurückgegriffen werden, da Bewegungen im Falleninneren die Pflanze dazu veranlassen die Falle fester zu schließen und Verdauungssekrete auszuschütten. Von zu großer Beute sollte abgesehen werden, da sie von der Pflanze mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verdaut werden kann und folglich lediglich verschimmelt.

Gepflanzt in reinen, ungedüngten Hochmoortorf oder ein Torf-Sand gemisch (2:1) gedeihen Venusfliegen am besten an einem vollsonnigen Standort in Südlage. Das Substrat sollte niemals austrocknen und stets feucht gehalten werden. In der Wachstumszeit im Sommer sollte man den Wasserstand im Untersetzer sogar einige Zentimeter anstauen, jedoch sollte durch die starke Empfindlichkeit gegenüber Kalk (bei allen Karnivoren) ausschließlich kalkfreies Wasser, wie etwa Regenwasser, destilliertes Wasser oder Osmose-Wasser verwendet werden. Bleiben die Pflanzen klein und schwach handelt es sich in den allermeisten Fällen um Lichtmangel.

Temperaturen

Da das Angebot an Insekten in den Wintermonaten abnimmt und am Naturstandort in den U.S.A im Winter ähnlich frostige Temperaturen herrschen wie in einigen Gebieten Deutschlands, legt die Pflanze im späten Herbst bis zum Frühling eine Winterruhe ein. Während dieser Zeit stagniert das Wachstum stark, die Fallen werden kleiner und der Licht- und Temperaturbedarf der Pflanze sinkt. Da Venusfliegenfallen durch ähnliche Außentemperaturen wie am Naturstandort in Deutschland hierzulande als recht winterhart einzustufen sind, sollten die Pflanzen bestmöglich ausgepflanzt im (nährstofffreien) Moorbeet oder Kübel überwintert werden. Eine Überwinterung im Zimmer ist bei entsprechender Zusatzbelichtung möglich, allerdings sollte auf gute Luftumwälzung geachtet werden, um Schimmelbildung vorzubeugen!
Alternativ können die Pflanzen bei mehrfacher wöchentlicher Kontrolle auch im Kühlschrank überdauern, da bei entsprechender Ruhephase der Lichtbedarf stark sinkt und das Licht als Wachstumsfaktor in dieser Zeit kaum eine Rolle spielt.
Oftmals ist bei zu warmer Haltung bereits in den späten Winter- oder sehr frühen Frühlingsmonaten eine Blütenbildung der Pflanzen zu beobachten. Die entstehenden Floreszenzen sollten jedoch frühzeitig entfernt werden, um der Pflanze Kraft zu sparen. Ist das Wachstum der Blüte bereits stark fortgeschritten, so ist von einer Entfernung abzuraten, da die Pflanze dann nur mit dem Nachtreiben eines neuen Blütenstandes reagieren würde.
In den Sommermonaten lassen sich die Blütenstände ganz einfach mit einem Pinsel bestäuben. Es kann sowohl pflanzeneigener, als auch Pollen von fremden Dionaea-Kultivaren verwendet werden.
War die Bestäubung erfolgreich schwillt der Blütenstand meist recht schnell an. Nach Abschluss des Entwicklungsprozesses reißt er anschließend an der Oberseite auf, woraufhin sich die zahlreichen tropfenförmigen schwarzen Samen leicht entnehmen lassen. Eine Aussaat erfolgt am besten direkt im Anschluss mit frischem Saatgut. Alternativ lassen sich die Samen mit relativ guter Keimquote auch einige Jahre trocken und kühl einlagern.
Samen der Venusfliegenfalle gelten als Lichtkeimer, sie werden also nur auf die Substratoberfläche (reinen Torf oder Torf-Gemische) aufgestreut und anschließend stets feucht gehalten. Ein Nachteil der generativen Vermehrung (= per Samen) bei Dionaea ist die recht langsame Wachstumsrate, allerdings werden meist sehr gute Keimquoten erzielt und durch natürlich bedingte Mutationen können hin und wieder neue Kultivare selektiert werden.

Zusammenfassung

Substrat
- reiner Torf; Torf-Sand (2:1)

Bewässerung
- Sommer: Anstau
- Winter: stets leicht feucht halten

Licht
- vollsonnig

Winterruhe
- ja, bei kühler Überwinterung können die Pflanzen auch dunkel stehen (zB. Kühlschrank)
- voll frosthart!
Literatur

1] HARTMEYER, S. R. H. und I. HARTMEYER (2019): Dionaea traps selectively allow small animals to escape. Carnivorous Plant Newsletter, Vol. 48, 4. 2019, PDF-Veröffentlichung.
https://legacy.carnivorousplants.org/cpn/articles/CPNv48n4p153_160.pdf [04.01.2020, 23:07]
2] Siegfried R. H. Hartmeyer (2019): Venus Fliegenfallen sortieren kleine Tiere aus. YouTube-Video.
https://www.youtube.com/watch?v=JJYAa0n_h0w [05.11.2019, 01:07]
3] DÖNGES, J. (2019): Venusfliegenfalle – Fallen für alle Fälle.  Spektrum, Online-Artikel.
https://www.spektrum.de/news/fallen-fuer-alle-faelle/1658464 [05.11.2019, 01:28]
4 ] BAILEY, MCPHERSON (2012): Dionaea – The Venus’s Flytrap. Redfern Natural History Productions, (S.20).
5] CAROW, FÜRST (1998): Fleischfressende Pflanzen – Artenübersicht – Kultur – Vermehrung. Verlag Thomas Carow, 11. Auflage.
6] BURRI et. al. (2020): A single touch can provide sufficient mechanical stimulation to trigger Venus flytrap closure. PLOS-BIOLOGY, PDF-Ausgabe.
https://journals.plos.org/plosbiology/article/file?id=10.1371/journal.pbio.3000740&type=printable

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.