Rafflesia – die größte Blume der Welt

Rafflesia – die größte Blume der Welt

Von fleischfressenden Pflanzen bis hin zu riesigen, gar mannsgroßen Blüten – unsere Natur bietet eine Vielzahl an faszinierenden Organismen. Einige davon wirken nahezu surreal. Rafflesien etwa, eine Gattung parasitisch lebender Pflanzen aus Südostasien, zählen zu den größten Blüten der Welt. Ihr Geruch ist allerdings derartig unangenehm, dass sie für die Bestäubung auf Fliegen angewiesen sind.

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Abbildung: Blüte von Rafflesia arnoldii

Rafflesia – ein unsichtbarer Schmarotzer

Rafflesia zählt zu einer der spannendsten Pflanzenarten, die Naturbegeisterte und Wissenschaftler gleichermaßen fasziniert. Denn die Pflanzen bilden weder Wurzeln, noch Sprosse oder Blätter aus und werden trotzdem zu den größten Blütenbildnern der Welt gezählt! Die eigentliche Pflanze besteht im Grunde aus einem mycelartigen Geflecht, einem Zellfaden, welches bis auf die Blüten ausschließlich in den Wirtspflanzen der Gattung Tetrastigma vorkommt. Seltener werden auch Pflanzen der Gattung Cissus besiedelt. Die eigentliche Pflanze befindet sich also immer vollständig im Wirt eingeschlossen und ist daher nur unter dem Mikroskop sichtbar. Rafflesien werden daher zu den sogenannten Schmarotzerpflanzen gezählt.

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Abbildung: Rafflesien wachsen parasitär als Schmarotzerpflanzen an den Wurzeln von Tetrastigma rafflesiae.

Ein sensibler Spezialist

Die systematische Stellung von Rafflesia war daher lange unklar. Aktuell wird sie allerdings als Pflanze geführt, da eine genetische Verwandtschaft mit den Wolfmilchsgewächsen (Euphorbiaceae) möglich ist. Insgesamt existieren 42 Arten. Alle dieser Arten sind stark bedroht. 25 Arten gelten als vom Aussterben bedroht. Die einzelnen Arten werden jeweils der Gattung Rafflesiaceae – den Rafflesiengewächsen zugeordnet.

Die Heimat der Rafflesien befindet sich in Südostasien (Thailand, Malaysia, Sumatra, Java, Borneo, Philippinen) auf einer Höhe von etwa 500-700 Metern über dem Meeresspiegel. Die Pflanzen sind auf ein intaktes Ökosystem mit stimmigen Bedingungen angewiesen. Bei Trockenheit und geringer Luftfeuchte können sich die Blütenanlagen nicht entwickeln. Intensive Nässe wiederrum schadet der Blütenentwicklung, die bis zu einem ganzen Jahr andauern kann.

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Abbildung: Die Blüten der Rafflesien strahlen einen starken Gestank aus, welcher Bestäuberinsekten wie Fliegen anlockt.

Die größten Blüten der Welt

Die Blüten können eine beachtliche Größe mit einem Durchmesser von einem Meter und fast 11kg Gewicht erreichen. Damit gelten sie hinsichtlich des Durchmessers als Pflanzen mit der größten Blüte der Welt! Lediglich die Titanwurze (Amorphophallus spec.) bilden mit einer Höhe von etwa zwei Metern höhere Blütenanlagen aus. Wie Wissenschaftler herausfanden, hat sich die Blüte im Laufe der Evolution auf das 79-fache ihrer ursprünglichen Größe entwickelt. Und das in „nur“ sechs Millionen Jahren – eine relativ kurze Zeit, wenn man die Evolution von Organismen betrachtet.

Fliegen als Bestäuber

Rafflesia arnoldii bietet die wohl größte und bekannteste Art unter den Rafflesien. Ihre beachtliche, überdimensional große Blüte sondert einen intensiven, aasähnlichen Geruch ab, welcher Bestäuberinsekten wie Fliegen anlockt. Und das aus gutem Grunde – Die Blüten der Rafflesien gelten als zweihäusig getrenntgeschlechtlich, das heißt es werden entweder männliche oder weibliche Blüten gebildet, die sich anschließend gegenseitig bestäuben müssen. Um die Narbe der weiblichen Pflanzen zu erreichen, müssen sich die Bestäuberinsekten durch einen winzigen Spalt zwängen. Deshalb erfolgt die Bestäubung vorwiegend durch Fliegen. Da männliche und weibliche Pflanzen auf Grund der Zweihäusigkeit der Blüten allerdings zur selben Zeit blühen müssen, erfolgt eine Befruchtung nur sehr selten.

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Abbildung: Blüte von Rafflesia arnoldii. Die eigentliche Pflanze wächst als myzelartiger Zellpfaden verborgen in der Wirtspflanze.

Ein seltenes Schauspiel

Die Früchte benötigen anschließend ebenfalls etwa ein Jahr bis zur Reife. Allerdings ist das große Schauspiel der Blütenpracht oft bereits nach wenigen Tagen wieder vorbei. Die gesamte Blütephase dauert lediglich etwa eine Woche. Danach zerfällt die Blüte zu einem matschigen Schleim. Die Überlebensstrategie von Rafflesien besteht demnach aus einem ausgeklügelten System aus Anpassungsfähigkeit, Schmarotzertum und langer Ausdauer. Kürzlich fand man heraus, dass die Pflanzen sogar dazu in der Lage sind, die Gene ihrer Wirtspflanze zu übernehmen.

Palmölplantage
Abbildung: Die massive Ausbreitung von Palmölplantagen liefert einen der Hauptgründe für das zunehmende Verschwinden bedrohter Arten.

Habitatschwund und Bedrohung der natürlichen Lebensräume

Durch die zunehmende Ausdehnung der menschlichen Lebensräume und damit einhergehende Veränderungen im Ökosystem sind Rafflesien leider zunehmend stark bedroht. Bereits heute gelten 25 der insgesamt 42 Arten als vom Aussterben bedroht. Eine der Ursachen liegt in der massiven Ausbreitung der Landwirtschaft, insbesondere von Palmölplantagen.

Ebenso wie viele Arten fleischfressender Pflanzen können Rafflesien daher als lebendiges Mahnmal im ständigen Spannungsfeld zwischen Mensch und Natur betrachtet werden. Bisher ist es noch nicht gelungen, die Pflanzen in künstlicher Kultur zu etablieren. Verschwinden die Pflanzen aus den natürlichen Beständen, verschwinden sie also wahrscheinlich für immer. Ein Grund mehr solch artenreiche Standorte entsprechend ihrer Einzigartigkeit zu würdigen und entsprechend zu schützen.


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Ich empfehle dir meine Beiträge zum Thema „Die Titanenwurz – Gigantin der Blütenpflanzen“ und „Warum fleischfressende Pflanzen keine Karnivoren sind“.

Literatur und Quellenangaben

ANON. (2012): Parasitäre Blütenpflanze stiehlt Gene vom Wirt. Pflanzenforschung.de https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/journal/parasitaere-bluetenpflanze-stiehlt-gene-vom-wirt-1789

ANON. (2013): Rafflesien – schöner Gestank! Abteuer-regenwald.de
https://www.abenteuer-regenwald.de/wissen/regenwald-portraits/pflanzen/rafflesien

CAROW, THOMAS; FLEISCHMANN, ANDREAS; WISTUBA, ANDREAS et al. (2005): Fachlicher Austausch zum Thema Rafflesia im Forum der G.F.P.
https://forum.carnivoren.org/forums/topic/19211-rafflesia/