Trauermücken (biologisch) bekämpfen

Bei Trauermücken (Bradysia paupera und Lycoriella ingenua, Familie: Sciaridae) handelt es sich um etwa 2-5 mm lange, schwärzliche Fliegen aus der Ordnung der Zweiflügler, die zum Paarungstanz meist wie alkoholisiert wirkend um die Pflanzen taumeln, sich massenhaft vermehren und ausbreiten und folglich zum Pflanzen-Schädling werden. Die eigentliche Schadwirkung an den Pflanzen ist jedoch lediglich auf den Fraß der etwa 7 mm langen, hellen Larven zurückzuführen, die in feuchten Substraten (in der Wohnung zumeist in der Blumenerde) leben und sich von totem organischen Material ernähren. Ist dieses jedoch aufgebraucht oder verrottet, fressen die Larven der Trauermücken feine Wurzeln und unterirdische Sprossabschnitte an, infolgedessen die Pflanzen meist stark in ihrer Entwicklung gestört werden und das Risiko für die Einschleppung von Bakteriosen und Virosen in der Pflanze stark steigt. Vor allem bei Sämlingen kommt es bei einem Befall durch Trauermückenlarven oft zu großen Ausfällen.
Bemerkenswert ist, dass ein höherer Anteil an Grünkompost und Gärungsstoffen im Substrat zu deutlich besseren Bedingungen für das Wachstum der Trauermückenlarven führen kann, jedoch vermutet wird, dass Nematoden, die zur biologischen Bekämpfung der Trauermücken eingesetzt werden, die Schädlinge in solchen Substraten schlechter parasitieren (WADAS 2019; KOLLER 2009). Gerade bei biologischen Anbau- und Bekämpfungsmethoden sollte also vermehrt auf ein Auftreten der kleinen Plagegeister geachtet werden.

Lebensweise und Zyklus

Durch die kurze Lebensdauer der adulten Tiere muss das Überleben der Art durch massenhafter Vermehrung gesichert werden. Nach der Eiablage, die sowohl auf der Substratoberfläche, bei künstlicher Kultur jedoch auch durch Topföffnungen (etwa an der Topfunterseite) erfolgt, schlüpfen die ersten Tiere bereits nach etwa vier Tagen, wobei jedes Weibchen etwa bis zu 200 Eier ablegt.
In der Natur kommen Trauermücken vor allem auf Feuchtwiesen und in Mooren und Wäldern vor. Sind die Lebensbedingungen dort zeitweise besonders günstig, tritt zwischen Mai und Juni eine massenhafte Vermehrung auf, in Folge dessen sich ein bis zu mehrere Meter langer Verbund aus Larven bildet. Dieser sogenannte „Heerwurm“ hat den Zweck die Ausbreitung der Art zu fördern und Fressfeinde abzuwehren. In künstlicher Kultur können Trauermücken jedoch das ganze Jahr über auftreten, wobei die stärksten Vorkommen meist im Mai/Juni und von Oktober bis Dezember ihren Höhepunkt erreichen. Oft werden die Schädlinge über Neuzugänge oder Substratbeutel aus Gartencentern und Baumärkten eingeschleppt, allerdings finden die Tiere auch auf natürliche Weise (über Fenster und/oder Undichtigkeiten im Gewächshaus) ihren Weg in den Pflanzenbestand. Die Larven häuten sich im Boden etwa über den Zeitraum von drei Wochen über mehrere Larvenstadien hinweg, bevor letztendlich die Verpuppung und der Schlupf folgen. Zu Beginn sind die Puppen noch weiß, später erscheinen sie gelb bis braun, wobei das Hinterteil stets beweglich bleibt. Bei Zimmertemperatur beträgt die Entwicklungszeit vom Ei zum Adulten Tier „nur“ etwa einen Monat, während die adulten Tiere, die bereits direkt nach dem Schlupf geschlechtsreif sind, lediglich etwa 3-7 Tage lang leben!

gelbtafeln und trauermuecke
Grafik: Gelbtafeln (links) eignen sich hervorragend um das Auftreten von Trauermücken (rechts, vergrößert) und anderen Schadinsekten zu beobachten und das Erreichen derer Schadschwellen einzuschätzen.

Beobachtung und Bekämpfung

Die Bekämpfung von Trauermücken erfordert etwas Beobachtung und Voraussicht. Hat sich ein geringer Bestand an einer gewissen Schadwelle etabliert (diese ist abhängig vom Alter der Pflanze, der Größe, dem Gesundheitszustand… und lässt sich relativ zügig per Erfahrung ermitteln), kann mit der Bekämpfung begonnen werden. Bei Einzeltieren lohnt sich eine Bekämpfung meist nicht, da diese dann nicht besonders gezielt stattfindet. Zur Beobachtung des Auftretens und zur Einschätzung der Schadschwelle sollten über dem Pflanzenbestand zu jeder Zeit stets sogenannte Gelbtafeln* mit relativ geringem Abstand zur Substratoberfläche aufgestellt oder -gehangen werden. Hierbei handelt es sich um beleimte Kunststoffkarten, die adulte Tiere durch ihre Farbwirkung anziehen und fangen. Allerdings handelt es sich bei Gelbtafeln, wie es gerade viele Anfänger in der Pflanzenzucht vermuten, nicht um eine aktive Bekämpfungsmethode, sondern lediglich um ein Hilfsmittel zur Identifikation eines Befalls! Gerade bei frisch geschlüpften oder eingeschleppten (adulten) Tieren können Gelbtafeln* jedoch eine passive Bekämpfungsmöglichkeit bieten, da die anhaftenden Tiere nicht mehr in der Lage sind sich zu Vermehren und deren Lebenszyklus zumindest mit sehr geringer Wirkung eingedämmt wird.
Eine Deckschicht aus sehr feinem Quarzsand auf der Substratoberfläche (mindestens 5 mm Schicht-Dicke!) kann der Eiablage ebenfalls entgegen wirken, allerdings nutzen die adulten Tiere oft auch Risse in den Töpfen oder die Bewässerungslöcher auf der Unterseite der Töpfe zur Eiablage, weshalb mit dieser Methode oft nur ein geriner Erfolg erzielt wird!
Ähnlich wie Gelbtafeln* können Fettkräuter (Pinguicula spec.) mit ihren klebrigen Blättern als Falle für adulte Tiere dienen. Da diese jedoch nur ein sehr gering ausgeprägtes Wurzelwerk besitzen, wird davon abgeraten Fettkräuter gezielt zur Bekämpfung von Trauermücken einzusetzen. Wie wir in eigenen Erfahrungen beobachten konnten, überleben einige Trauermückenlarven auch in Substraten mit recht hohen mineralischen Anteilen, wenn der Wurzelraum eine entsprechende Feuchte aufweist (die bei der Kultur von Pinguicula gerade in den Hauptbefallszeiten meist vorhanden ist). Die Larven sammeln sich dann einfach in der feuchten Wurzelzone an, die zudem auch oft von älteren, bereits stark verdorrten Blättern geschützt ist und somit reichlich Nahrung bietet. Auch bei der Kultur von Fettkräutern ist daher stets auf Trauermückenbefall zu kontrollieren und eine geeignete Gegenmaßnahme vorzunehmen!

Bekämpfung mit Nematoden

Die effektivste Bekämpfungsmöglichkeit ergibt sich jedoch durch die Anwendung von Fadenwürmern, sogenannte Nematoden mit dem Namen Steinernema feltiae*. Diese lediglich etwa 0,8 mm großen Tierchen nutzen die Larven der Trauermücke als Wirt zur Eiablage. Nach einer erfolgreichen Parasitierung sterben die Trauermückenlarven ab und setzen mit der Zeit neue Jungtiere der Fadenwürmer frei, die sich dann auf die Suche nach einem neuen Wirt begeben, womit der Kreislauf erneut beginnt. Sind die Schädlinge aufgefressen und die Nahrung verschwunden, sterben die Nematoden schließlich ab. Es lohnt sich also, den richtigen Zeitpunkt zur Bekämpfung abzuwarten und nicht zu frühzeitig mit den Gegenmaßnahmen zu beginnen, um ausreichend Nahrung für eine langfristige Wirkung und gute Vermehrungsrate der Nematoden gewährleisten zu können. Die richtige Schadschwelle lässt sich jedoch bereits nach wenigen Anwendungen problemlos in Erfahrung bringen.

Die Lieferung der Nematoden erfolgt meist in gebundener Form an feinem Tonpulver, weshalb die gewünschte Ausbringungsmenge vor der Anwendung per Gießbrause oder Sprüher (mindestens 0,8 mm Sprühweite!) zunächst ganz unkompliziert mit der entsprechenden Wassermenge angerührt werden muss. Da sich die Tiere bei Lieferung in Ruhephase befinden, können sie nur kurzfristig und kühl (etwa im Kühlschrank) gelagert werden. Eine Ausbringung ist bei Temperaturen ab 5°C möglich. Unter 8°C nimmt die Aktivität der Nematoden jedoch stark ab und unter 4°C fallen die Nematoden schließlich in eine Ruhestarre (daher die kurzfristige Lagerung im Kühlschrank). Ein Nachteil dieser biologischen Bekämpfungsmethode ist jedoch, dass das Substrat über die Anwendungszeit hinweg (zumindest für einige Wochen) konstant feucht gehalten werden muss, da die Bewegungsfähigkeit der Nematoden stark von der Wassersättigung des Substrates abhängt. Der Anwendungsraum für Nematoden beschränkt sich demnach also auf feuchteverträgliche Kulturen in stark organischen Substraten.

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Grafik: Nematoden bieten die beste und nachhaltigste Bekämpfungsmöglichkeit gegen Trauermückenbefall und gehören in unserer Anzucht zum Standardrepertoire im Pflanzenschutz.

Bekämpfung mit Mikro-Organismen

Darüber hinaus bietet sich mit dem Bakterium Bacillus thuringiensis eine weitere biologische Bekämpfungsmethode mit etwas mäßigerem Erfolg, als durch die Anwendung von Nematoden, da die Behandlung hier regelmäßig (etwa alle 14 Tage) wiederholt werden muss. Der Bacillus wird von den Trauermückenlarven über den Verdauungstrakt aufgenommen und führt bereits innerhalb weniger Stunden zu deren Tod! Mittlerweile existieren mehrere Produkte unter verschiedenen Handelsnamen, wie „BioMück“, „NeudoMück“ und „MioPlant“.
Da Mikroorganismen wie Bacillus thuringiensis jedoch erst seit relativ kurzer Zeit gegen Trauermückenlarven eingesetzt werden, ist die Wirksamkeit laut einigen Berichten im Vergleich zu anderen Bekämpfungsmethoden wie Steinernema feltiae oder Neem-Öl, derzeit nicht sehr ausgeprägt (KOLLER 2009).

Bekämpfung mit Neem-Öl

Möchte man statt auf Nützlinge jedoch lieber auf (biologische) Spritzmittel zurückgreifen, empfiehlt sich eine Behandlung mit Neem-Öl*, ein azadirachtinhaltiges Sekret des Niembaums (Azadirachta indica), welches sowohl auf die Pflanzen gesprüht, als auch in geringen Mengen direkt in das Substrat gegossen werden sollte. Neem-Öl* hemmt den Fraß der Schädlinge und stört die Häutung zwischen den einzelnen Larvenstadien verschiedener Insekten. Da der Wirkstoff jedoch zunächst von der Pflanze aufgenommen und in dieser verteilt werden muss (hierbei spricht man von einer systemnischen Wirkung), erfolgt die Wirkung nicht unmittelbar und setzt meist erst nach etwa 10 Tagen ein!
Im Gegensatz zur Bekämpfung mit Nützlingen, bei der eine gewisse Schadschwelle als Nahrungsgrundlage zur optimalen Vermehrung des Nützlings abgewartet werden sollte, ist bei der Anwendung von Neem-Öl* also zu empfehlen, recht frühzeitig mit der Bekämpfung zu beginnen! Für eine optimale Wirkung empfiehlt es sich die Behandlung nach 14 Tagen noch einmal zu wiederholen.


Literatur und Quellen

ANON. (?): Bradysia paupera und Lycoriella ingenua – Trauermücke. Koppert Biological Systems. Online-Artikel.
https://www.koppertbio.de/fragestellung/fliegen-und-muecken/trauermuecke/ [02.11.2020]

ANON. (2011): Schädlingsbekämpfung – Trauermücken. Stadt Zürich – Umwelt- und Gesundheitsschutz. PDF-Download.
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/3521/dokumente/mb_bsb_trauermuecken.pdf [02.11.2020]

ANON. (?): Steinernema – Fadenwürmer (Nematoden) – Nematoden der Art Steinernema feltiae- Re-Natur GmbH. PDF-Download.
https://www.re-natur.de/shop/downloads/dl/file/id/245/product/784/steinernema_feltiae.pdf [02.11.2020]

ANON. (?): Trauermücken. UMWELTBUNDESAMT (DE), Website-Artikel.
https://www.umweltbundesamt.de/trauermuecke [02.11.2020]

KOLLER, MARTIN (2009): Vergleich verschiedener direkten Regulierungsmöglichkeiten der Trauermücken in der biologischen Topfkräuterproduktion. Tagungsband der 10. Wissenschaftstagung Ökologischer Landbau (Band 1). Verlag Dr. Köster, Berlin.
https://orgprints.org/14461/1/Koller_14461.pdf [02.11.2020]
https://orgprints.org/14461/2/Poster_Trauermuecken_Koller_wisstagung2009.pdf [02.11.2020]

RUISINGER, MARION (2019): Biologische Bekämpfung von Trauermücken. Landwirtschaftskammer, Online-Artikel.
https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/zierpflanzenbau/biologisch/bekaempfung-trauermueckenlarven.htm [02.11.2020]

WACHTMANN, SVEN (2018): Neem -biologisches Pflanzenschutzmittel. Landesverband Berlin der Gartenfreunde e.V., PDF-Download.
https://www.gartenfreunde-berlin.de/gartenfachberatung/tipps-fuer-den-garten/neem-biologisches-pflanzenschutzmittel/166 [02.11.2020]

WADAS, RENÉ  (2019): Der Pflanzenarzt. Mein Großes Praxisbuch für Garten und Balkon. Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 60-63, 3. Auflage.

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