Topfen wie die Profis – Wie topft man (Karnivoren) richtig?!

Neben den entscheidenen klimatischen Kulturfaktoren spielen auch die Handhabung und die Beschaffenheit des Substrates eine entscheidene Rolle für die Entwicklung der Pflanze/n. Doch oftmals stoßen wir – vor allem auf Instagram – auf Bilder von Pflanzen, denen beim Topfen nicht die volle Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Neben unvollständig gefüllten Töpfen, ist ein zu klumpig angemischtes Substrat eine häufig begangene Fehlerquelle.
Aus diesem Grunde möchten wir in diesem Beitrag eine detaillierte Anleitung zum professionellen Topfen geben, aber auch auf einige häufig anzutreffende Fehler eingehen.

1. Wahl der Töpfe

Neben der Verwendung eines passenden Substrates, hat die Beschaffenheit des Topfes direkten Einfluss auf den Erfolg der Anzucht. Dies gilt nicht nur für Karnivoren, sondern ist für nahezu alle pflanzlichen Kulturen allgemeingültig. Während Pflanzen im Boden der natürlichen Umgebung verschiedenen, lokal sehr unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt sind und sowohl die Bodenbildung, als auch deren Erhaltung und die jeweiligen Bodenparameter (pH, Nährstoffgehalt, etc.) stark von mikrobiologischen und weiteren biotischen und abiotischen Prozessen abhängen, sind Kulturen in Topfkultur von Beginn an stark auf den Züchter angewiesen. Neben dem passenden pH-Wert, Nährstoffgehalt und der für die jeweilige Kultur entsprechenden Saugfähigkeit, bzw. Wasserhaltekraft des Substrates (wie lange braucht das Substrat um Wasser aufzunehmen und anschließend wieder abzutrocknen), ist unbedingt darauf zu achten die richtige Topfgröße UND die richtige Topfhöhe zu wählen.

Mit der Wahl der richtigen Gefäßhöhe lässt sich der Sauerstoffgehalt im Substrat und folglich auch der Kulturerfolg und die Wachstumsgeschwindigkeit deutlich positiv beeinflussen! Gerade bei Kultur in Daueranstau , wie es für viele Karnivoren üblich ist, sollte aus diesem Grunde (wenn in der jeweiligen Breite verfügbar) unbedingt auf höhere Töpfe zurückgegriffen werden. Hierfür gibt es beispielsweise spezielle Töpfe mit 9 cm Breite und Höhe, statt der üblichen 7 cm Topfhöhe bei standartisierten 9er Rundtöpfen. Besonders bei verschiedenen Sonnentauarten ist das Wuchsbild in diesen Töpfen kräftiger und die Pflanzen erscheinen im Vergleich etwas gesünder und widerstandsfähiger.

Der Unterschied erscheint zwar marginal, liefert in der Praxis jedoch deutliche Unterschiede in der Kultur. Wie die Donau-Iller Gruppe der deutschen Orchideen-Gesellschaft berichtet, hängen sowohl der Wasser- als auch der Luftgehalt im Substrat direkt von der Topfhöhe ab [1]. Während ein 8 cm hoher Kulturtopf lediglich mit bis zu 7% Luft und bis zu 76% mit Wasser gesättigt sein kann, kann ein 10 cm hoher Topf bereits 13% Luftanteil und nur noch lediglich 70% Wassersättigung aufweisen, obwohl der Unterschied in der Topfhöhe lediglich 2 cm beträgt. Der Luftanteil im Substrat würde sich demnach also ausschließlich mit der Wahl einer gering höheren Topfgröße nahezu verdoppeln! Genau genommen liefert dieser Umstand auch eine der Ursachen für das bessere Wachstum von jungen Sämlingspflanzen, die nach der Saat regelmäßig pikiert werden. Vor allem bei der Aussaat von Venusfliegenfallen ist bei einer fehlenden Vereinzelung oft ein extrem verlangsamtes Wachstum zu beobachten. Möglicherweise kommt es sogar vor, dass einige Pflanzen für mehrere Jahre im Sämlingsstatium verbleiben!

Topfhöhe (cm) Luftgehalt (%) Wassergehalt (%)
2,5 2,5 82
8 7 76
10 13 70
18 19 64

Tabelle 1: Abhängigkeit von Wasser- und Luftgehalt (in %) von der Topfhöhe (in cm). Quelle: Deutsche Orchideen-Gesellschaft (Gruppe Donau-Iller) [1]

2. Rundtöpfe oder Ecktöpfe?

Die Wahl des passenden Topfmodells hängt jedoch nicht nur von der gewählten Höhe ab, auch mit der Bauform (Rund- oder Ecktöpfe) kann man unter Umständen einen entscheidenden Einfluss auf den Kulturerfolg erzielen. Gerade in kleineren Gewächshäusern mag es zunächst sinnvoll erscheinen, den gering verfügbaren Platz zu nutzen und die zur verfügung stehende/n Fläche/n vollständig mit Ecktöpfen zu bestücken. Doch bei der Kultur von Pflanzen mit erhöhter Wurzelempfindlichkeit und/oder erhöhter Anfälligkeit für bodenbürtige Pilzerreger (zB: Fusarium spec. oder Colletotrichum spec.) wie Zwergkrüge (Cephalotus follicularis), Sumpfkrüge (Heliamphora spec.), Kannenpflanzen (Nepenthes spec.) aber auch Venusfliegenfallen (Dionaea muscipula), kann diese Entscheidung in wärmeren und vor allem schwüleren Tagen mitunter fatale Folgen haben!
Durch den hohen Engstand wird ein Luftaustausch zwischen den Töpfen und folglich auch ein wichtiger Kühlungsfaktor verhindert. Bei Kultur in Daueranstau wird darüber hinaus auch die Verdunstung von der Tischoberfläche stark eingeschränkt. Bei wurzelempfindlichen Pflanzen ist es demnach immer besser auf Rundtöpfe zurückzugreifen und die Töpfe einige wenige Zentimeter auseinanderzurücken. Ähnliches gilt für die Kultur am Fensterbank.

3.Welche Topffarbe ist die richtige Wahl?

Da Materialien mit unterschiedlichen Oberflächenfarben die einwirkende Einstrahlung (vor allem in Form von Wärmestrahlung durch das Sonnen- oder Kunstlicht) unterschiedlich stark absorbieren und somit auch zu einer unterschiedlich starken Erwärmung des Substrates führen, kann man auch mit der Wahl der passenden Topffarbe entscheidenden Einfluss auf den Kulturerfolg nehmen. Schwarze Töpfe absorbieren mehr Wärmestrahlung als Terracottafarbene und eignen sich daher eher für wurzelunempfindliche Kulturen oder Spätsaaten, bzw. Stecklinge in den Herbstmonaten bis zum Pikieren im folgenden Frühjahr. Dieser Effekt lässt sich im Sommer ebenfalls hervorragend beim Tragen von schwarzen T-Shirts beobachten, in denen man merklich schneller schwitzt. (Die Innenräume schwarz lackierter Autos sind im Vergleich zu helleren Lackierungen im Sommer auch meist deutlich wärmer.) Vor allem im Gewächshaus oder bei Verwendung von Zusatzbelichtung mit starker Wärmestrahlung sollte dieser Umstand stets beachtet werden!

nepenthes-toepfe
Grafik: Auch mit der Wahl des passenden Topfmodells lässt sich das Wachstum beeinflussen: Höher gezogene 9er Rundtöpfe eignen sich vor allem für wurzelempfindliche Kulturen; schwarze Töpfe absorbieren mehr Wärmestrahlung und eignen sich daher vor allem für Spätaussaaten und Anzuchten unter LED-Strahlern oder Leuchtstoffröhren.

4. Wahl und Vorbereitung des Substrats

Welches Substrat gewählt wird, hängt im allgemeinen von den Bodenansprüchen der jeweiligen Pflanze/n ab. Karnivoren wachsen allgemein auf nährstoffarmen, kalkfreien und daher sauren Böden, weshalb hier meist auf Substrate aus reinem Weißtorf oder Torfmischungen mit Sand, Kies und Perliten zurückgegriffen wird. Einige Züchter experimentieren auch mit torffreien Alternativen wie Pinienrinde, Vermiculit oder weiteren Ausgangsstoffen. Nur einige Fettkrautarten (Pinguicula spec.) kommen auch auf kalkhaltigen Böden vor und können deshalb auch hervorragend auf mineralischen Substraten kultiviert und mit Leitungswasser gegossen werden.

Als Ausgangsstoff dient in den meisten Fällen fast ausnahmslos ungedüngter, ungekalkter Hochmoortorf (Weißtorf)* mit einem geringen Zersetzungsgrad (H2-H5). Bei stärkeren Zersetzungsgraden sind in der Torfsubstanz bereits zu viele Nährstoffe enthalten, wodurch der Torf für die meisten Karnivoren nicht zu empfehlen ist. Anschließend wird der Torf noch mit etwas kalkfreiem Quarzkies und Quarzsand (etwa 50:50) im Verhältnis 2 Teile Torf zu 1 Teil Sand/Kies aufgelockert. Der Sand- und der Kiesanteil sorgen dafür, dass das Torfsubstrat, welches eine sehr starke Wasserhaltekraft besitzt, etwas aufgelockert wird und die Substratfeuchte etwas besser zu handhaben ist. Fertig ist das Standard-Substrat, welches für nahezu alle karnivoren Kulturen verwendet werden kann. Als weiterer optionaler Zuschlagsstoff dienen oft Perlite*, ein bei etwa 1000°C aufgeblähtes Lavagestein, das den Luftanteil im Substrat deutlich erhöht. Beim Kauf der Perlite sollte jedoch darauf geachtet werden, dass es sich um gartenbauliche Perlite handelt und nicht etwa um Produkte für den Baubereich (oft verwendet für Dämmungen), die unter Umständen für die Pflanzen schädliche Schadstoffe enthalten könnten.

Für mexikanische Pinguicula empfiehlt sich eine mineralische Mischung aus Lava, Bims, Zeolith, Blähton, Sand/Kies und etwas Torf zur besseren Bindung und Wasserbindung. Fertige Ausgangsmischungen wie Lechuza®-Pon* und Seramis®* (Kakteen und Sukkulenten) eignen sich hierbei hervorragend. Beide Substrate sollten zu gleichen Teilen kombiniert und anschließend mit der Mischung des Basis-Substrates (ohne Perlite) im Verhältnis 3:1 vermischt werden.
Europäische Pinguicula sollten durch die Knospenbildung und der Ausbildung teils dickfleischiger Wurzeln eher in organischen Substraten kultiviert werden. Die oben genannte Basis-Mischung für alle Karnivoren kann auch hier problemlos verwendet werden. Bei kalkliebenden Arten (wie P. vallisneriifolia) sollte die Basis-Mischung noch mit etwa 50% Anzuchterde* oder Kakteenerde ergänzt werden, vor allem wenn dem Substrat kein Kalk in Form von Dolomitkalk* oder gemahlenen Muschelschalen zugegeben wird.

töpfe
Grafik: Gut getopft ist halb gewonnen! Die Töpfe werden stets bis zum oberen Rand befüllt, das Substrat jedoch nie angedrückt, sondern nur angeklopft!

5. Befüllung der Töpfe & Setzen der Pflanzen

Nachdem die Wahl des Substrates und des passenden Topfmodells gefallen ist, kann mit dem eigentlichen Topfen und dem Befüllen der Töpfe begonnen werden. Hierbei sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass das verwendete (kulturfeuchte!) Substrat niemals in die Töpfe gepresst werden darf! (Wir können an dieser Stelle nur nocheinmal betonen, dass ein gut befeuchtetes Substrat zwar zusammenhält, jedoch nicht klebt und keine Ballen oder Klumpen bildet.) Vielmehr wird die Mischung vorsichtig in den Topf gegeben, sodass sich an der Oberfläche ein leichter Haufen bildet, der mit der Handfläche abgestrichen wird. Anschließend werden die Töpfe aus ungefähr 10 cm Höhe etwa 5-10 mal leicht kraftvoll auf den Tisch geklopft, damit sich das Substrat schonend setzen kann. Dieser Vorgang wird anschließend 2-3 mal wiederholt, bis der Topf zum oberen Rand gefüllt ist. Auch hier wird der überschüssige Rest vorsichtig und ohne jeglichen Druck oder pressen des Substrates abgestrichen.

Anschließend kann mit der Bepflanzung begonnen werden. Am besten eignet sich hierfür ein Pikierstab* für den Gartenbau oder als Low-Budget-Variante der Stiel eines längeren Rundpinsels aus der Bastelabteilung. Die Finger reichen im Notfall jedoch auch. In der Mitte des Topfes wird mit Hilfe des Pikierstabs ein einige Zentimeter großes Loch im Substrat geschaffen, in dem die Pflanze anschließend eingesetzt wird. Anschließend wird dieses natürlich noch mit Hilfe des Pikierstabs und dem umliegenden Substrat verschlossen. Die Töpfe können nun außen anklebenden Substratresten gereinigt und die geliebte Sammlung verbracht werden. Natürlich sollte man auch niemals vergessen die Pflanzen anschließend ersteinmal gründlich zu wässern!

Bei größeren Pflanzen, bzw. größeren Wurzelballen ist es ratsam den Topf vorerst nur halb oder zu 2/3 zu füllen, anschließend die Pflanze einzusetzen und das restlich benötigte Substrat von oben nachzufüllen. Auch hier sollte jedoch niemals angedrückt, sondern lediglich geklopft werden, damit sich das Substrat schonend setzt!
Um Sternmoosbefall auf der Topfoberfläche vorzubeugen, können die Töpfe (bei der Kultur von Karnivoren) anschließend auch mit etwas lebendem Sphagnum-Torfmoos bestückt werden.

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Grafik: Ein häufiger Fehler bei vielen Kulturen! Oftmals werden Substrate viel zu trocken oder zu nass getopft und nur unvollständig befüllt! Die optimale Kulturfeuchte zum Topfen ist erreicht, wenn das Substrat zwar regelmäßig durchfeuchtet ist, jedoch nicht aneinander klebt und keine Klumpen oder Ballen bildet.

6. Spezialfälle

a) Saatschalen & Multizellplatten

Durch ihre geringe Höhe und der großen, relativ unhandlichen Breite vieler Saatschalen-Modelle, ist es schwierig, bzw. praktisch fast unmöglich die Substrate in solchen Modellen wie bei Topfkultur durch Klopfen der Behälter schonend zu setzen. Saatschalen sollten daher stets einige Zeit (etwa 1-2 Wochen) vor der Aussaat oder der Bestückung vorbereitet werden. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, dass die Substrate in den Schalen während dieser Zeit niemals austrocknen dürfen!

b) Tontöpfe, Slack’sche Methode

Tontöpfe (unlackiert) verfügen materialbedingt über die Fähigkeit Wasser über die Topfwände zu verdunsten und eignen sich daher vor allem, bzw. eher für Pflanzen mit erhöhter Wurzelempfindlichkeit, denen größere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Pflanzen mit erhöhtem Wasserbedarf oder langzeitigem Daueranstau sind eher nicht für Tontöpfe zu empfehlen. Vor allem bei der Kultur von Kobralilien (Darlingtonia californica) erfreuen sich Tontöpfe jedoch großer Beliebtheit. Die Pflanzen werden hier meist nach der sogenannten Slack’schen Methode gepflanzt, bei der ein Tontopf einige Zentimeter am Boden mit Blähton aufgefüllt wird, bevor ein weiterer Topf (nächstkleinerer Topfgröße) eingesetzt und die seitlichen Hohlräume ebenfalls mit Blähton ausgefüllt werden. Der mittlere Topf wird anschließend mit normalem Karnivoren-Substrat befüllt und bepflanzt. Eine zusätzliche Schicht lebendes Sphagnum sorgt für Schutz der Substratoberfläche. Durch die doppelte Topfung werden Substrat und Wurzeln nicht nur besser von der Einstrahlung geschützt, unter Umständen wird auch eine bessere Verdunstungskühlung erzielt.
Nachteile von Tontöpfen liegen vor allem im hohem Eigengewicht der Gefäße (das bei Outdoor-Kultur auch stark vorteilhaft sein kann), welches es erschwärt das Substratgewicht, bzw. den Substratschwerpunkt und somit die Wassersättigung und den daraus folgenden Wasserbedarf und Gießzeitpunkt zu ermitteln. Zudem kann zu feuchte Substrathaltung oder zu feuchte Umgebungstemperatur zum Schimmelbefall an der Außenseite der Töpfe führen. Die Wahl von Tontöpfen sollte daher stets mit Bedacht erfolgen!

 

Literatur- und Quellenangaben

1] ANON. (?): Kultur von Orchideen – 2.Substrate (Thema des Gruppenabend vom 6.April 2012) – Deutsche Orchideen-Gesellschaft ev. – Orchideen-Gruppe Donau-Iller. Web-Artikel. (16.08.2020 – 23:27 Uhr). http://www.orchidee-donau-iller.de/html/sonstiges/Themen.htm

2] HOFFMANN, G. (1991): VDLUFA-Methodenbuch Band I. Die Untersuchung von Böden. VDLUFA-Verlag, Darmstadt, 4. Aufl.

3] CAROW, FÜRST (1998): Fleischfressende Pflanzen – Artenübersicht – Kultur – Vermehrung. Verlag Thomas Carow, 11. Auflage.

 

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