Steckbrief - Cephalotus follicularis

Licht:
Hell aber absonnig / schattiert.
Bei Zimmerkultur: Zusatzbelichtung in den Wintermonaten.
Wasserbedarf:
Mittel
Luftfeuchtigkeit:
Gering, gute Luftzirkulation.
Substrat:
Torf-Sand (2:1), oder Torf-Sand-Perlite (2:1:1).
Winterruhe:
Ja. Kalthauskultur bei 5°C optimal.
Überwinterung bei 15°C mit Zusatzbelichtung möglich.

Der Zwergkrug (Cephalotus follicularis)

Mit seinen lediglich wenige Zentimeter großen Fallen gehört der Zwergkrug sicher zu den beliebtesten Karnivoren unter fortgeschrittenen Züchtern. Doch auch Beginner können sich mit ein wenig Hintergrundwissen und unter Beachtung einiger (relativ) simpler Kulturbedingungen an der Pflege dieser fantastischen Pflanzen erfreuen.

Ursprünglich stammen die Zwergkrüge aus dem Westen Australiens, hauptsächlich in der Region um Albany, wo sie endemisch angesiedelt sind. Durch dieses sehr geringflächige Verbreitungsgebiet werden die Pflanzen im Englischen auch als „albany pitcher plant“ bezeichnet. Es existiert nur eine einzige Art (C. follicularis), allerdings sind zahlreiche, durch Mutationen entstandene Klone im Umlauf. Einige bilden besonders große Krüge, andere färben sich besonders intensiv aus. Während sich in den wärmeren Monaten die typischen Krugfallen bilden, werden über den Winter zahlreiche nichtkarnivore Blätter gebildet, die der Pflanze helfen Kraft zu sparen und die lichtärmere und kältere Zeit zu überdauern. Alles Grundlegende zur Pflege des Zwergkrugs erklären wir in diesem Beitrag.

Fangmethodik

Zum Beutespektrum der Zwergkrüge gehören vor allem verschiedene Ameisenarten, was bei der geringen Größe der nah am Substrat anliegenden Fallen kaum verwundert. Über an der vorderen Fallenseite befindliche Flügelleisten können die Ameisen bis zur Öffnung der Falle vorranschreiten, an dessen Rändern sich ein nach innen gerichtetes, zahnartiges Gebilde (das sogenannte Peristom) befindet und eine reusenartige Funktion erfüllt. Klettert die Beute zu weit an den Rand der Öffnung, fällt sie schließlich ins Falleninnere und kann auf Grund der Bauart des Peristoms nicht mehr aus dieser entkommen.

Im Gegensatz zur Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) schließen sich die Deckel (Deckel = Operculum) jedoch nicht beim Fang neuer Beute. Zeitrafferaufnahmen zeigen aber deutlich, dass sich das Operculum im Tagesverlauf leicht schließen und anschließend wieder öffnen kann [1]. Vor allem bei Wassermangel oder hoher Einstrahlung (Hitze) sind die Deckel meist relativ stark geschlossen. Wir vermuten, dass sich die Pflanzen durch diesen Vorgang vor zu hoher Verdunstung der in den Kannen befindlichen Verdauungsflüssigkeit schützen.

zwergkrug_rot
Grafik: Ein Zwergkrug mit beginnender Ausfärbung. Die Deckel (Operculum) sind auf Grund der relativ geringen Substratfeuchte leicht geschlossen: Ein guter Indikator für die Feststellung der Notwendigkeit der nächsten Wässerung!

Pflege

Wasserbedarf

Der Wasserbedarf von Zwergkrügen ist im Vergleich zu vielen anderen Karnivoren recht moderat. Das Substrat sollte vor dem erneuten Gießen jeweils leicht an- aber nicht vollständig austrocknen.
Von Daueranstau raten wir ab. Um festzustellen, ob eine erneute Bewässerung notwendig ist, ist es möglich die Töpfe anzuheben und den Schwerpunkt sowie das Gewicht zu vergleichen. Sind die Töpfe wieder leichter und liegen nicht schwer in der Hand, ist eine erneute Bewässerung möglich.

Ein weiterer Indikator ist die Stellung des Operculums der einzelnen Fallen. Sind die Deckel leicht geschlossen, könnte dies ebenfalls ein Hinweis auf leichten Wassermangel sein. Obligatorischerweise sollte für die Bewässerung – wie auch bei den meisten anderen Karnivoren (außer Pinguicula) – auf kalkarmes, nährstofffreies Wasser, wie etwa Regenwasser oder destilliertes Wasser zurückgegriffen werden. Welche Möglichkeiten zur Wassererzeugung bereitstehen und wie man ganz einfach sein eigenes Gießwasser per Umkehrosmose erzeugt, erklären wir in unserem Beitrag zu verschiedenen Möglichkeiten bei Wasserknappheit.

Standort / Licht

Für eine erfolgreiche Kultur ist eine ausreichend starke Belichtung wichtig. Ein südlich gelegenes Fensterbrett stellt hierbei das Minimum dar. In den Wintermonaten sollten die Pflanzen bei der Anzucht im Wohnraum jedoch mit einer entsprechend für Pflanzen ausgelegten Lampe belichtet werden. Im Gewächshaus empfiehlt es sich, die Pflanzen zu schattieren.

Temperaturen

In den Wintermonaten sollten die Pflanzen bestmöglich kühl (bei etwa 5-10°C) überwintert werden. Eine etwas wärmere Überwinterung ist auch bei 15°C möglich, wenn ausreichende Belichtung (durch Zusatzbelichtung) gewährleistet wird. Jedoch färben sich die Pflanzen bei wärmerer Überwinterung nicht so schön aus und die Blüte bleibt im Folgejahr meist aus.

Während der Hauptwachstumszeit der Fallenblätter in den Sommermonaten werden Temperaturen bis ca. 30°C gut vertragen. Bei höheren Temperaturen oder stehender Luft reagiert Cephalotus sehr penibel. Oftmals sterben die Pflanzen in Folge von Überhitzungen innerhalb kürzester Zeit oberirdisch ab. Manchmal gelingt es jedoch, aus den unbeschädigten Rhizomen neue Pflanzen zu ziehen. Die Töpfe sollten bei oberirdischer Verbräunung (wenn andere Schäden ausgeschlossen werden können) also zunächst einige Zeit normal weiter gewässert werden.
Durch eine Schattierung im Gewächshaus gelingt es die auf die Pflanzen einwirkende Wärmestrahlung deutlich zu reduzieren. Trotzdem sollte (sowohl bei der Wohnraum-, als auch bei der Gewächshauskultur) stets auf eine sehr luftige Kultur geachtet werden, die sich in Wohnräumen leicht mit kleinen, handelsüblichen USB-Ventilatoren umsetzen lässt.

Für eine schöne Ausfärbung ist eine Nachtabsenkung der Temperaturen empfehlenswert. Bei Freilandkultur kommen die Pflanzen durch die kühleren Morgen- und Nachttemperaturen besonders in den Frühlings- und Herbstmonaten zur Geltung.

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Grafik: Bei mangelnder Belichtung oder fehlender Nacht-Absenkung der Temperatur (bzw. zu warmer Kultur) bleiben die Pflanzen meist intensiv grün.

 

Umtopfen / Substrat

Ist es Zeit die Pflanzen umzutopfen, eignet sich jedes Standard-Substrat für Karnivoren. Wir verwenden eine Mischung aus Weißtorf, Quarzsand/Kies und Perliten (VH: 2:1:1). Die Perlite sorgen für ein lockeres Substrat und somit für eine bessere Durchlüftung, sind jedoch optional. In unserem Shop findest du hochwertige Mischungen in geringen Abfüllmengen für den Heimbedarf.
Da Cephalotus am Naturstandort oft in dicken Torfmoos-Polstern (Sphagnum spec.) wachsen, ist es empfehlenswert die Substratoberfläche mit etwas lebendem Sphagnum zu bepflanzen. Das Moos erhöht zwar den Wasserbrauch bei stärkerem Wachstum deutlich, beugt jedoch durch die Verdunstung und den hohen Wassergehalt auch zuverlässig Überhitzungsschäden aus. Darüber hinaus ist es am Habitus der Torfmoose meist leichter, einen Möglichen Wasserdefizit der Töpfe zu identifizieren. Weitere spannende Fakten über Torfmoose findest du auch in unserem Beitrag über die Zucht von Torfmoosen (Sphagnum spec.). Eine weitere Möglichkeit die Verdunstung der Substratoberfläche zu reduzieren, stellt die Abdeckung mit Kies oder Sand dar, allerdings wird bei dieser Methode keine kühlende Wirkung erreicht und folglich besteht auch ein deutlich geringerer Schutz gegen die Erwärmung der Töpfe.
Oftmals wird einer Abdeckung mit Sand nachgesagt, dass sie Trauermückenbefall verhindere – wir halten diese Verbreitung jedoch für einen Mythos, ua. weil es den Tieren meist auch möglich ist, über die Öffnungen an der Topfunterseite einzudringen, um ihre Larven abzulegen!

Literatur & Quellen:

1] ANON. aka „CLAUS‘ CARNIVORES“ (2019): Cephalotus follicularis (Zwergkrug) Zeitraffer/time lapse growth. YouTube-Video. Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=nEujpQ1P-Y8
2] Wilhelm Barthlott, Porembski S., Seine R., Theisen I. (2004): Karnivoren. Biologie und Kultur fleischfressender Pflanzen. [Ulmer Verlag, Stuttgart].
3] THOMAS CAROW, FÜRST R. (1998): Fleischfressende Pflanzen – Artenübersicht – Kultur – Vermehrung. [Verlag Thomas Carow], 11. Auflage.

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