Wie und was fressen fleischfressende Pflanzen?

Da einige Pflanzen ausschließlich auf sehr sauren und stark an Nährstoffen verarmten Böden vorkommen, haben sich im Laufe der Evolution einige Gattungen entwickelt, die mit ausgeklügelten Fangmechanismen kleine Insekten, Tiere und Pflanzenteile erbeuten, diese zersetzen und von den im Zersetzungsprozess freigegebenen Nährstoffen profitieren – Die Karnivoren oder fleischfressenden Pflanzen.
Während bei einigen Fallentypen wie den Klebefallen des Sonnentau (Drosera spec.) oder der Fettkräuter (Pinguicula spec.) die Beute frei ersichtlich ist, haben andere Gattungen wie die Kannenpflanze (Nepenthes spec.) oder die Schlauchpflanze (Sarracenia spec.) magenähnliche Strukturen – die Fallgruben – entwickelt.
In diesem Artikel möchten wir dir daher die fünf Grundlegenden Fallentypen fleischfressender Pflanzen vorstellen sowie einige Möglichkeiten der Fütterung und Düngung erläutern.

1. Klappfallen

Die wohl bekannteste fleischfressende Pflanze, die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) gehört neben der Wasserfalle (Aldrovanda vesiculosa) zu der Kategorie der Klappfallen.
Bei genauerer Betrachtung der Fliegenfallen stellt man schnell fest, dass sich neben den borstenartigen Strukturen an den Rändern der Falle im Falleninneren zahlreiche kleine Härchen befinden, welche als Auslöser des Fallenmechanismus dienen. Werden zwei dieser Härchen innerhalb von zwanzig Sekunden berührt schließt die Falle, gibt Verdauungssekret frei und bezieht anschließend die Nährstoffe aus der gefangenen Beute. Nach einigen Tagen öffnet sich die Falle wieder und lediglich der Kadaver mit dem unverdaulichen Chitinpanzer bleibt erhalten.
Da der Schließmechanismus bei der Venusfliegenfalle jedoch pro Falle jeweils nur etwa 4-5 mal ausgelöst werden kann und das gesamte Blatt abschließend abstirbt, sollte man nicht all zu oft mit den Fallen spielen.
Die Fallen der Wasserfalle (Aldrovanda vesiculosa), die in sauberen stehenden, aber nährstoffreichen Gewässern vorkommt, sind vom Aufbau der Venusfliegenfalle sehr ähnlich, allerdings sind sie nur etwa fünf Millimeter groß und die „Trigger-Härchen“ sind viel zahlreicher vorhanden.

dionaea
Grafik: Durch ihre beeindruckenden Klappfalle gehört die Venusfliegenfalle zu den bekanntesten fleischfressenden Pflanzen



2. Klebefallen

Gattungen wie der Sonnentau oder die Fettkräuter sind stark mit Drüsen besetzt, an deren klebrigen Ausscheidungen rastsuchende Insekten haften bleiben, bevor sie schließlich verenden und durch im Sekret befindliche Verdauungsenzyme zersetzt und anschließend von der Pflanze verwertet werden.
Einige Gattungen und Arten zeigen bei Beutefang sogar Bewegungsreaktionen, in dem sich umliegende Drüsen oder sogar ganze Blattteile um die gefangene Beute rollen.
Neben den genannten Arten existieren jedoch auch Pflanzen mit Klebefallen, deren Sekrete keine Verdauungsenzyme enthalten und welche folglich auf die Zersetzung durch einen Symbionten angewiesen sind. Ein gutes Beispiel liefert hier die aus Südafrika stammende Gattung Roridula – die Wanzenpflanze, die am Naturstandort mit zahlreichen Wanzen (meist der Gattung Pameridea) besetzt ist und nach großflächigen Buschfeuern zahlreich als Pionierpflanze auftaucht (das Feuer stellt hierbei sogar eine Bedingung dar, damit die Samen keimen, es handelt sich um sogenannte Pyrophyten).
Weitere Gattungen mit Klebefallen sind die Regenbogenpflanze (Byblis spec.) und das Taublatt (Drosophyllum lusitanicum).

3. Fallgruben

Bei einer weiteren Gruppe an Fallentypen handelt es sich um die Fallgruben, die vor allem von Schlauch- (Sarracenia spec.) und Kannenpflanzen (Nepenthes spec.) bekannt sind.
Während die trichterartigen Fallen der Schlauchpflanzen und Kobralilien (Darlingtonia californica) aus mehreren Zonen (Lockzone, Gleitzone, Verdauungszone) bestehen, die ein Entkommen aus der Falle erschweren, bzw. unmöglich machen, wird die gefangene Beute bei Kannenpflanzen und Zwergkrügen (Cephalotus follicularis) durch ein dichtes, zahnartiges Peristom an der Flucht gehindert.
Ähnlich wie der Symbiose bei Roridula existieren neben Fallgruben mit vorhandenem Verdauungssekret auch Gattungen und Arten, die nicht eigenständig Sekret produzieren und auf die Speisung von Regenwasser angewiesen sind, in dem sich zahlreiche Bakterien und Pilze befinden, die den Zersetzungsprozess für die Pflanze übernehmen. Beispielhaft hierfür ist die Gattung der Sumpfkrüge (Heliamphora spec.), die durch ihre offene Form – wie auch die Kannenpflanzenart Nepenthes ampullaria – neben tierischer Beute auch herabfallende Pflanzenteile verwertet.
So bilden einige Arten innerhalb ihrer Fallen teils artenreiche Mikrohabitate, sogenannte Phytotelmata.

drosera
Grafik: Der Sonnentau – ein beliebter Vertreter der Klebefallen – fängt seine Beute mit Hilfe eines stark klebrigen Sekrets.


4. Saugfallen

Saugfallen kommen ausschließlich bei der Gattung der Wasserschläuche (Utricularia spec.), die jedoch die größte Gattung unter den Karnivoren bilden, vor.
Eine Besonderheit an Utricularien ist, dass sich die Fallen nicht sichtbar unterhalb der Erde oder unter Wasser befinden. Die blasenähnlichen Fallen, die sich von Art zu Art in ihrem Habitus stark unterscheiden, werden ähnlich wie bei der Venusfliegenfalle durch an der Fallenaußenseite befindliche Triggerhärchen ausgelöst. Durch die Reaktion wird eine darunter befindliche Klappe geöffnet und die Beute durch den entstehenden Druck in die Falle eingesaugt, woraufhin sich die Klappe wieder schließt und der Verdauungsprozess beginnen kann.
Trotz der geringen Größe vieler Fallen, die artspezifisch nur etwa zwischen 0,2 und 6 Millimeter groß sind, ist der gesamte Schließvorgang der Falle laut einigen Quellen in einer 15/1000stel Sekunde beendet [1].

5. Reusenfallen

Die Fallen von Reusenfallen der gleichnamigen Gattung Genlisea wachsen (wie bei einigen Utricularia-Arten) unterirdisch. An den Wurzeln befinden sich knollenartige Auswüchse, die in tiefergelegenen Zonen Hohlräume bilden, aus denen dünne Röhren auslaufen, die sich weiter zu zwei korkenzieherförmigen Ästen spalten. Diese sind mit zahlreichen Schlitzen versehen, die die Fallenöffnungen bilden und die Beute bis in den knollenartigen Hohlraum leiten, dessen Verdauungsdrüsen sich am oberen Ende befinden.
Da Reusenfallen ähnlich der Wasserschläuche oberirdisch optisch recht unscheinbare Pflanzen sind, sind sie nur recht selten in Sammlungen zu finden.

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Grafik: Die Fallgruben der Schlauchpflanzen sind in mehrere Zonen unterteilt. An den Deckelunterseiten wird Nektar ausgeschieden, der einige Insekten anlockt, die anschließend an der Falle abrutschen und gefangen werden.

Was fressen fleischfressende Pflanzen?

Wer seine Pflanzen nun füttern möchte, um ihnen einen kleinen Nährstoffbonus zu geben und das Wachstum zu fördern, fragt sich nun sicherlich welches Futter für seine Pflanze geeignet wäre.
Von einem Versuch die kostbaren Pflanzen mit Hackfleisch, Käse, Hundefutter oder ähnlichen Lebensmitteln zu füttern, kann allerdings von vornherein abgeraten werden, da die Nahrung in der Form in den meisten Fällen nicht verwertet werden kann und lediglich schimmelt. Um den Fallenmechanismus und die Freisetzung der Verdauungsenzyme vollständig auszulösen bedarf es bei einigen Arten nämlich weitere Bewegungsreize, was der Pflanze als Schutzfunktion dient, um die relativ kraftaufwändigen Schließ-Vorgänge nicht unnötig durchführen zu müssen.
Für die Venusfliegenfalle empfielt sich aus diesem Grunde auch lediglich kleineres Lebendfutter wie Heimchen oder Mehlwürmer. In der Natur haben sich Karnivoren auf sehr verschiedene Beutetypen angepasst. Während sich Zwergkrüge und die Kannenpflanzenart Nepenthes albomarginata auf kleinere Ameisenarten spezialisiert haben, fangen Gattungen mit Klebefallen vor allem Zweiflügler wie Fliegen, Mücken und Motten aber auch Spinnenarten und andere Kleintiere. Die Beute der Venusfliegenfallen besteht entgegen ihres Namens zu einen Großteil aus Spinnen. Utricularien und Reusenfallen machen sich andere terrestrische wie aquatische Kleinstlebewesen zur Beute.
Der Sonnentau fängt verschiedene Motten- und Spinnenarten besonders gut. Die Fallgruben der Kannenpflanzen sollten wie einige unbewegliche Sonnentauarten und Fettkräuter jedoch mit gemahlenem Fischfutter (in Flockenform) versorgt werden.



pinguicula
Grafik: Blütenpracht geht auch ganz ohne Dünger – Die Fettkräuter machen es vor!

Bei gesunden, kräftigen Pflanzen ist es ebenfalls möglich, das Gießwasser mit geringen Mengen Flüssigdünger zu versorgen. Handelsüblicher Flüssigdünger sollte 1%ig, Orchideendünger etwa in halber bis 1/4 der empfohlenen Konzentration angesetzt und etwa alle 3 Wochen versprüht oder vergossen werden. Bei einem starken Besatz mit Torfmoos ist allerdings darauf zu achten, dass dieses einen Großteil der Nährstoffe filtert und für das eigene Wachstum verwertet. Es empfiehlt sich bei stark bemoosten Töpfen daher eine kurzzeitige Anstau-Bewässerung von unten. Mit der Verwendung eines EC/TDS-Meters gestaltet sich die Anrührung der Düngerlösung jedoch einfacher, da das benötige Wasservolumen einfach auf von uns empfohlene Werte von 80-100 µS/cm eingestellt werden kann. Bei Kannenpflanzen wird unter anderem auch von guten Erfahrungen mit Werten bis zu 250 µS/cm berichtet [3].
Die einfachste Lösung seine Pflanzen zu düngen liefern verschiedene Langzeitdünger mit der OSMOCOTE®-Technologie. Hier befinden sich die Nährstoffe in einer Hülle, die gleichzeitig eine semipermeable Membran darstellt. Werden die Kügelchen (im Substrat) der Feuchtigkeit ausgesetzt, diffundieren die verschiedenen Nährstoffe über einen längeren Zeitraum hinweg langsam in das Substrat, wo sie schließlich von den Pflanzen aufgenommen werden können. Je nach Korngröße unterscheidet sich die Länge bis zur vollständigen Freisetzung der im Inneren befindlichen Nährstoffe. Handelsübliche Korngrößen sind hierbei 3M (3 Monate), 6M (6 Monate) und seltener 12M (1 Jahr). Viele Karnivoren-Züchter berichten auch von guten Erfahrungen mit dem algenbasierten Dünger MAXSEA (Link auf englischer Sprache). Als Flüssigdünger eignet sich am besten der Universaldünger von Wuxal*.

Werden die Pflanzen im Freiland kultiviert, ist eine Fütterung meist nicht notwendig, da die Pflanzen über die Hauptwachstumszeit hinweg meist automatisch mit ausreichend Nahrung versorgt werden.

 


Literatur

1] CAROW, FÜRST (1998): Fleischfressende Pflanzen – Artenübersicht – Kultur – Vermehrung. Verlag Thomas Carow, 11. Auflage.

2] SCHULZ, B. (1965) – Fleischfressende Pflanzen. Ziemsen Verlag.

3] https://forum.carnivoren.org/forums/topic/45058-nepenthes-d%C3%BCnger/


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