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Einen Moorkübel mit winterharten Fettkräutern gestalten

Besonders die winterharten Fettkräuter bezaubern im Frühjahr stets mit ihren niedlichen Blüten, die meist in zahlreichen violetten Tönen auftreten, aber auch in weiß oder anderen Farben vorkommen. Doch durch ihre relativ unscheinbare Größe, erfreuen sie sich bei den meisten Karnivoren-Liebhabern nicht unbedingt der größten Beliebtheit. Zu unrecht wie wir finden! Während winterharte Fettkräuter in größeren Moorkübeln oder -Beeten, im Verhältnis zur Größere der anderen Pflanzen meist eher unscheinbar wirken, so lassen sich mit diesen Pflanzen wunderbare Mini-Kübel oder Schalen gestalten, die zudem auch problemlos mit kalkhaltigem Wasser gewässert werden können. Vor allem dieser Umstand unterscheidet die meisten Fettkräuter von den anderen Karnivoren, die ausschließlich auf kalkarmes, bzw. kalkfreies Gießwasser angewiesen sind.
Die Anlage eines solchen Gefäßes gestaltet sich sehr einfach. Alle notwendigen Materialien sind – bis auf die Pflanzen – in den meisten Baumärkten oder Gartencentern erhältlich. In diesem Beitrag wollen wir daher zeigen, wie du dein Gefäß mit europäischen Fettkräutern ganz simpel selbst gestalten kannst. In Kooperation mit Karnico haben wir zu diesem Artikel dieses Mal auch eine schöne Video-Anleitung für euch erstellt. Für einen besseren visuellen Eindruck, empfehlen wir daher ergänzend unser YouTube-Video.

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1. Materialien

Die Kosten belaufen sich je nach Gefäß- und Pflanzenauswahl gesamt auf etwa 50-80€ pro Kübel bei eigener Anlage (Substrat: 7,50€; Kübel: 7,50€; Pflanzen: 30-50€; Dekomaterial: 5-10€; alte Töpfe: gratis; GESAMT: ~ 50-80€). Dieser Preis mag für eine kleine Bepflanzung zunächst sicher erst einmal ziemlich hoch erscheinen, allerdings erhält man mit diesen Gefäßen im Gegensatz zu vielen (oft einjährigen) Pflanzen der üblichen Beet- und Balkonbepflanzung, auch ein für viele Jahre üppig wachsendes Arrangement. Da während der Winterruhe an den im Boden zurückgezogenen Überwinterungs-Zwiebeln (Hibernacula) stets zahlreiche kleine Tochterpflanzen gebildet werden, ist die Vermehrung der Pflanzen bei entsprechender Haltung nahezu garantiert.

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2. Gefäßwahl, Abdichtung und Wasserspeicher

Zunächst einmal benötigt man ein passendes Gefäß, welches bestenfalls wasserdicht ausgelegt ist, um den Gießaufwand für die feuchteliebenden Fettkräuter möglichst gering zu halten.
Für mittlere und größere Kübel haben sich hierfür einfache, trägerlose und unbedruckte „Baukübel“ aus dem Baumarkt bewährt. Kleinere Kübel aus Zinkwannen, eignen sich besonders für die Terrasse oder Stufen im Hauseingang. Allerdings sollten diese gegebenenfalls mit etwas Teichfolie ausgekleidet werden, um einen Wasseranstau zu ermöglichen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Modellen sind diese nämlich meist nicht wasserfest. Durch den (im Vergleich zu anderen Karnivoren) etwas geringeren Wasserbedarf von Fettkräutern, kann man allerdings auch auf diese Einlage verzichten. Jedoch sollte man in jedem Falle sicherstellen, dass das Substrat stets gut durchfeuchtet ist und niemals oberflächlich stark antrocknet oder gar völlig austrocknet. Da das abfließende Sickerwasser in der ersten Zeit nach der Anlage durch die im Substrat enthaltenen Huminstoffe oft stark gefärbt ist und auf dem Untergrund gegebenenfalls Verfärbungen hinterlassen kann, sollte dieser Umstand bei der Platzierung in den ersten Wochen berücksichtigt werden. Vor allem bei hölzernen oder besonders edlen Untergründen empfiehlt es sich, den Kübel zunächst einige Wochen anwachsen und setzen zu lassen, bevor er an seinen endgültigen Standort verbracht wird. Auch gegen mit Huminstoffen gefärbtes Sickerwasser ist die Einlage einer Teichfolie mitunter hilfreich und sollte bei entsprechenden Untergründen in der Planung mit bedacht werden. Ein weiterer Vorteil der Teichfolie bei Zinkwannen besteht in der deutlich schlechteren Wärmeleitung der Folie, die letztendlich dafür sorgt, dass sich der Kübel bei starker direkter Sonneneinstrahlung nicht ganz so schnell erhitzt und folglich auch etwas langsamer abtrocknet.
Durch die sehr geringe Wurzeltiefe winterharter Fettkräuter eignen sich auch abgedichtete Pflanzschalen hervorragend für die Kultur. Besonders auf Balkonen können diese Modelle einen besonderen Hingucker bieten.

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3. Substratmischung, Befüllung und Sackungsphase

Als Substrat empfehlen wir eine Mischung aus 3 Teilen torfbasierter Kakteenerde/Anzuchterde (zB: TKS1) und einem Teil handelsüblichem Weißtorf oder Karnivorensubstrat (perlitfrei). Die Kakteenerde sorgt für den entsprechenden Kalkgehalt, weist meist einen PH um 6,0 auf und enthält Nährstoffe in sehr gering dosierter Form, die für das Wachstum der Pflanzen zwar nicht nötig sind, ihnen allerdings auch nicht schaden und sogar einen kleinen Wachstumskick verleihen. Wer möchte, kann sein Ausgangssubstrat natürlich auch selbst auf ein neutrales oder schwach saures Niveau aufkalken. Lediglich wenige der winterharten Fettkräuter stellen besonders penible Ansprüche an das Substrat. In manchen Foren berichten einige Züchter von guten Erfahrungen mit Lehmbeimischungen oder Deckschichten mit teils verrottetem Laub. Für die meisten handelsüblichen winterharten Fettkräuter ist dieser Aufwand jedoch absolut nicht notwendig.
Um Torf zu sparen und bei abgedichteten Gefäßen einen Wasserspeicher zu generieren, sollte man für das Gefäß auch unbedingt einige alte Pflanztöpfe mit einplanen, die vor der Befüllung mit dem Substrat umgestülpt auf den Kübelboden gesetzt werden und etwa 1/3 des Gefäßvolumens einnehmen sollten. Ein passendes Gefäß, etwa ein Eimer oder eine Butte zum Anmischen des Substrates sollte natürlich auch nicht fehlen.

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4. Bepflanzung und Gestaltung, Welche Pinguicula sind kalkliebend?

Sicherlich fragst du dich an dieser Stelle welche der oben genannten Fettkräuter als kalkliebend zählen. Von den aktuell im Handlich befindlichen winterharten Fettkräutern, gelten vor allem Pinguicula vallisneriifolia und P. fiorii und deren Hybriden als kalziphil. Alle anderen winterfesten Pinguicula-Arten kommen in der Natur zwar vorwiegend auf sauren Substraten vor, vertragen meist jedoch auch problemlos kalkhaltige Mischungen. Lediglich Pinguicula grandiflora reagiert unserer Erfahrung nach etwas penibler auf stark kalkhaltiges Gießwasser. Kaliziphile Species können mit einem Trick im Übrigen auch ganz einfach in üblichen, sauren Moorbeeten oder -Kübeln gehalten werden. Dazu pflanzt man die Pflanze ganz einfach mitsamt ihres Topfes ein. Die Topfgröße sollte hierbei bestenfalls zwei Nummern größer als üblich gewählt werden. Den Topfrand kann man anschließend mit etwas Substrat oder Sphagnum verdecken. Ab und an sollte diese Pflanzstelle dann auch mit kalkhaltigem Wasser gegossen werden. Ganz nebenbei erleichtert diese Methode dann auch die Vermehrung der Fettkräuter, da an den über die Wintermonate gebildeten Winterknospen (Hibernacula) zahlreiche Brutknospen gebildet werden, die sich auf diese Weise viel leichter entfernen lassen und weniger dazu neigen sich mit dem Wasserstrom im gesamten Kübel zu verteilen.

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Neben den Fettkräutern können je nach Kübelgröße auch kalktolerante Begleitpflanzen mit eingebracht werden. Wir haben uns in diesem Fall für die Binsenart Juncus inflexus entschieden. Bei Binsen oder Wollgräsern sollte man vor dem Kauf jedoch darauf achten, ob diese Ausläufer bilden oder als horstbildend gelten. Ausläufertreibende Arten vermehren sich schnell durch das gesamte Arrangement und können dabei rasch die eigentlichen Pflanzen verdrängen. Möchte man auf diese nicht verzichten oder hat keine anderen Pflanzen zur Auswahl, sollten die Gefäße bei der Wässerung regelmäßig auf junge Ausläufertriebe kontrolliert werden und diese sofort tiefgründig entfernt werden. Ein Frühjahrsrückschnitt auf etwa 1/3 der üblichen Größe fördert das Wachstum der meisten Wollgras- und Binsenarten.
Mitunter kann auch etwas lebendes Torfmoos (Sphagnum spec.) für die Oberflächendekoration verwendet werden. Allerdings sollte man dann meist darauf achten, dass lediglich mit kalkarmen Wasser gegossen wird und das Substrat unter dem Sphagnum gegebenenfalls etwas höhere Torfanteile aufweist, da nur wenige Torfmoosarten kalktolerant sind und die im Handel befindlichen Arten meist unbestimmt sind.

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5. Fertigstellung, Standort und Pflege

Abschließend kann man noch etwas Dekomaterial wie Wurzeln oder Steine nutzen, um die Optik etwas zu verhübschen. Diese findet man zum Beispiel oft in der Zooabteilung.
Eine Abdeckung mit etwas Sand und Kies ist ebenfalls nicht schädlich und wertet die Substratoberfläche deutlich auf!
Im Gegensatz zur Verwendung von Sand und Kies bei üblichen Karnivoren-Substraten, muss bei kalktoleranten Fettkräutern auch nicht auf die Kalkfreiheit geachtet werden. Etwas handelsüblicher Spielsand eignet sich hierfür ebensogut. Aus dem Sandkasten sollte dieser jedoch lediglich dann entnommen werden, wenn sichergestellt werden kann, dass keine Katzen und andere freilaufenden Tiere die Möglichkeit haben sich darin zu erleichtern. Der im Urin enthaltene Ammoniak kann die Pflanzen unter Umständen nämlich schnell schädigen.
Der fertiggestellte Kübel sollte nun stets feucht gehalten werden. Durch die geringe Wurzeltiefe der Fettkräuter sollte auch die Oberfläche niemals antrocknen! Kürzere Perioden mit Daueranstau werden von ausgetriebenen Pflanzen gut vertragen. Längere Perioden mit starkem Anstau führen durch den Nährstoffgehalt des Substrates allerdings meist schnell zur Substrat-Veralgung, wodurch sich wiederum ein Kümmerwuchs in der Bepflanzung einstellen kann. Im Winter führt längerer Daueranstau meist zu Fäulnis.
Als Standort eignen sich helle, jedoch leicht absonnige Plätze. Direkte Mittagssonne sollte jedoch vermieden werden. Ein bis zweimal im Jahr (im Frühjahr und im späten Sommer) sollten die Begleitpflanzen gekürzt und Unkräuter entfernt werden, damit den Fettkräutern ausreichend Platz für das Wachstum erhalten bleibt und sie ausreichend Licht erhalten. Im Frühjahr solltest du darüber hinaus darauf achten, dass Vögel sich für den Nistbau gern am Sphagnum bedienen. Bei wiederkehrenden Problemen mit unseren „diebischen Freunden“, hat sich bei uns das Einstecken von Schacklick-Spießen in regelmäßigen Abständen bewährt. Klingt zugegebenermaßen etwas rabiat, hilft allerdings erfolgreich und macht einen wesentlich besseren optischen Eindruck, als das Umspannen mit Vogelschutznetzen oder Kaninchendraht. Weitere Pflegemaßnahmen sind nicht nötig!

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6. Fazit

Viel mehr gibt es eigentlich wirklich nicht mehr zu beachten. Wie versprochen gestaltete sich die Anlage ganz einfach und auch der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen. Ab nun kannst du dich viele Jahre an deinem Kübel erfreuen. Die vielen über den Winter gebildeten Tochterknopsen kannst du im nächsten Frühjahr dann bereits mit anderen Karnivoren-Enthusiasten gegen neue Arten tauschen. Sicherlich wird es auch bei dir nicht bei einem Kübel bleiben, so viel sei versichert! Alle nötigen Pflanzen findest du im Übrigen bei uns im Shop! Wir freuen uns auf deinen Besuch!

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