Grundlagen zur Terrarienkultur von Karnivoren

Ein Dschungel in den eigenen vier Wänden ist ein Traum, den sich viele Pflanzenliebhaber nur zu gerne verwirklichen wollen. Doch der Bedarf an hoher Luftfeuchtigkeit, der bei vielen verschiendenen Arten herrscht (seien es Karnivoren oder Nicht-Karnivoren), erschwert eine Haltung in der Wohnung zumeist stark.
Mit der Einrichtung eines Terrariums (oft auch Vivarium genannt) rückt dieser Traum jedoch wieder etwas näher. Da sich jedoch nicht alle Arten für die Haltung im Terrarium eignen und es bei der Terrarienkultur einiges zu beachten gilt, möchten wir dir in diesem Artikel einen umfassenden Überblick verschaffen, mit welchem du die häufigsten Fehlerquellen von Beginn an vermeiden kannst!
Zunächst möchten wir einige grundlegende Dinge zur Haltung von Karnivoren im Terrarium besprechen, bevor wir schließlich auf unterschiedliche Vorteile und Möglichkeiten der einzelnen Gefäßarten, Lüftungs- und Kühlungsmethoden eingehen. Bist du mit der Kultur fleischfressender Pflanzen bereits vertraut, kannst du den ersten Teil dieses Beitrags problemlos überspringen.

Übersicht (Direktlinks)

Welche Arten von Terrarien gibt es?

Bevor man mit der spezifischen Planung des Traum-Terraiums beginnt, sollte man sich bereits darüber im Klaren sein, welche Art von Pflanzen man (zusammen) kultivieren möchte, da die meisten Pflanzen unterschiedliche Ansprüche an die Wuchs- und somit auch die Kulturbedingungen stellen. Die Kannenpflanzen (Nepenthes spec.) beispielsweise, lassen sich grundlegend in zwei Kategorien einteilen, die völlig unterschiedliche Wuchsansprüche darstellen. Zu einem existieren Tieflandarten, die bis zu einer Höhe von etwa 1300m über dem Meerespiegel, in dauerwarmen und -feuchten Gebieten vorkommen und dementsprechend eine ganzjährig konstant warme Kultur bevorzugen.
Bei allen anderen Kannenpflanzenarten, die in einer Höhe über 1300m üNN. vorkommen und deren Standorte sich durch starke Temperaturabsenkungen in der Nacht charakterisieren, die für das Wachstum dieser Arten nahezu unerlässlich sind, spricht man von Hochlandarten. Gerade die Kultur dieser meist aus sogenannten Nebelwäldern stammenden Hochlandarten erfordert aufwendige technische Kühlmaßnahmen und die Bereitschaft zu hohen Betriebskosten. Auch viele Arten des Sumpfkruges (Heliamphora spec.), die aus den Tafelbergen (Tepuis) in Venezuela stammen, erfordern diese kühlen Kulturbedingungen.
Nepenthes-Arten, die sich nicht eindeutig zu den Tiefland- oder Hochlandarten zuordnen lassen, da ihr Verbreitungsgebiet im Bezug auf die Höhe üNN. variabel ist, werden als intermediäre Arten bezeichnet. Diese zeichnen sich durch eine relativ hohe Toleranz gegenüber den Kulturbedingungen aus und lassen sich sowohl unter Tiefland- als auch unter Hochlandbedingungen kultivieren.
Diese Arten eignen sich besonders für die Terrariumkultur. Neben Karnivoren existieren natürlich noch viele andere Gattungen und Arten mit ähnlichen Ansprüchen an die Temperaturabsenkung, etwa viele Orchideen-Arten. Da diese allerdings meist nur von Experten zu halten sind, sind sie im üblichen Handel kaum vertreten, üblicherweise relativ unbekannt und oft nur über den Fachhänder zu beziehen.
Möchte man ein Terrarium zusammenstellen, muss neben dem Lichtanspruch also vor allem der Temperaturanspruch der Arten berücksichtigt werden. Grundsätzlich sollte man daher ausschließlich Arten mit dem selben Kulturanspruch kombinieren.
Darüber hinaus gilt es zu entscheiden, ob man die Pflanzen im Terrarium direkt in Substrat pflanzen und eine kleine Landschaft gestalten möchte, oder ob man den verfügbaren Platz gezielt durch den Gebrauch von aneinandergereihten Töpfen nutzt. Für welche dieser beiden Methoden man sich entscheidet, ist jedem selbst überlassen und hat nur einen geringen Einfluss auf die weitere Art der Kultur, bzw. Zusammenstellung der Arten.

Nepenthes-Terrarium mit Mischbepflanzung
Grafik: Ein Kannenpflanzen-Terrarium mit Mischbepflanzung (© Carniflor)

Welche Karnivoren eignen sich für das Terrarium?

Die beliebtesten Karnivoren für das Terrarium stellen die Kannenpflanze (Nepenthes spec.) und der Sumpfkrug (Heliamphora spec.), aber auch verschiedene Sonnentau-Arten (Drosera spec.) dar.
Bei der Kultur von Nepenthes entscheidet neben dem Temperaturanspruch vor allem die Größe des Terrariums über die Eignung der jeweiligen Art. Da Kannenpflanzen zu den Rankpflanzen zählen, die neben einer beachtlichen Höhe teils auch stark ausgeprägte Blattspreiten erreichen, sollten für übliche (60x30x40) Terrarien vor allem kleinwüchsige  oder stark schwachwüchsige Arten (wie z.B.: N. glabrata, N. campanulata, N. adnata x campanulata, N. ampullaria, N. x Hookeriana…) verwendet werden.
Möchte man auf starkwüchsige Kannenpflanzenarten jedoch nicht verzichten, eignen sich vor allem Terrarien mit deutlich mehr Höhe und Arten mit geringen Blattspreiten wie Nepenthes tenuis und N. jamban. Sollte eine der Pflanzen mit der Zeit trotz einer sorgfältigen Planung einmal zu groß werden, lässt sich das Triebende meist mühelos abschneiden und für die weitere Vermehrung verwenden. Vor allem Kannenpflanzen eignen sich durch die ähnlichen Wuchsansprüche auch hervorragend für die Kombination mit verschiedenen Arten des Sumpfkruges (Heliamphora spec.) und ermöglichen somit die Kreierung spannender Landschaften, obwohl diese beiden Gattungen eigentlich an völlig unterschiedlichen Lokalitäten vorkommen und in der Natur niemals zusammen anzutreffen sind.
Durch die Vielzahl an Arten des Sumpfkruges lassen sich jedoch auch spannende Heliamphora-Terrarien einrichten, allerdings ist der Licht- und Kühlungsanspruch vieler Sumpfkrugarten nochmals deutlich höher als bei den meisten Kannenpflanzen, wodurch sich folglich auch etwas höhere Betriebskosten ergeben, die es in Kauf zu nehmen gilt.
Besonders schöne Terrarien lassen sich darüber hinaus auch mit tropischen und südafrikanischen Sonnentauarten (Drosera capensis, D. aliciae, D. venusta, D. admirabilid, D. graomogolensis…) gestalten. Ähnlich wie beim Aqua-Scaping empfiehlt sich für die Kultur verschiedener Arten hierbei die Anlage verschiedener Feuchtezonen, die für die jeweilige Art mit dem enstprechenden Feuchteanspruch oder dem gezielten Einsatz von Begleitpflanzen genutzt werden können.

Welche Karnivoren eignen sich nicht für das Terrarium?

Die Vielzahl an Formen und Farben der einzelnen Karnivoren und deren Begleitpflanzen, verlockern gerade Beginner oftmals zu gewagten, wenn nicht gänzlich unpassenden Kombinationen oder gar kompletten Fehleinrichtungen. Alle winterfesten Karnivoren, etwa die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula), Schlauchpflanzen (Sarracenia spec.), Kobralilien (Darlingtonia californica) aber auch die meisten Fettkräuter (Pinguicula spec.) eignen sich unter keinen Umständen für die Terrarienhaltung und sollten daher stets unter freiem Himmel gehalten und durchgehend kühl überwintert werden. Generell sollten keine Gattungen und Arten gewählt werden, die eine kühle Überwinterung benötigen. Auch die Regenbogenpflanze (Byblis spec.) oder die Wanzenpflanze (Roridula spec.) sind daher für die Terrarienkultur vollkommen ungeeignet. Winterharte Sonnentauarten wie Drosera rotundifolia, D. anglica oder D. filiformis eignen sich ebenfalls nicht!
Gleiches gilt natürlich für die Kultur frostfester Begleitpflanzen. Vor einer Bepflanzung (oder bestenfalls natürlich bereits vor dem Kauf), sollte man sich daher stets ausführlich über die Haltungsparameter der jeweiligen Pflanzen informieren.
Schwieriger gestaltet sich die Haltung von Zwergkrügen (Cephalotus follicularis) im Terrarium. Für eine erfolgreiche Haltung bedarf es hierbei neben einer ausreichend starken Belichtung vor allem einer großzügig ausgelegten Belüftung mit einer starken Luftzirkulation und stetiger Versorgung mit Frischluft. Sind die ensprechenden Haltungsparameter jedoch konstant gegeben, ist die Kultur mit etwas Geschick aber recht gut möglich.

Kann ich Tiere in meinem Karnivoren-Terrarium halten?

Oftmals erreicht uns auch die Frage, ob man tierische Bewohner in seinem Karnivoren-Terrarium halten kann oder ob Karnivoren eventuell sogar giftig sind. Glücklicherweise sind von keinen der für ein Terrarium in Frage kommenden Arten derzeit giftige Wirkungen bekannt. Die Haltung von tierischen Bewohnern im Karnivoren-Terrarium, hängt demnach ganz von der Größe der Pflanzen, bzw. der Größe der Fallenöffnungen, sowie der Art des Fallenmechanismen ab. Natürlich sollten aber auch die Haltungsparameter der Tiere und der Pflanzen übereinstimmen.
Von der gemeinsamen Haltung mit stark wühlenden Tieren oder Tieren mit ausgiebigem Blattfraß kann jedoch abgeraten werden. Auch wenn es für die Tiere unter Umständen verträglich wäre, wäre es dennoch sehr schade um die doch meist eher hochwertigen Pflanzen.
Da wir uns selbst jedoch ausschließlich auf die Kultur von Pflanzen spezialisiert haben und uns selbst unter keinen Umständen als Zoologie-Experten bezeichnen würden, können wir an dieser Stelle nur vorsichtige Empfehlungen aussprechen! Im Zweifelsfall sollte die Vereinbarkeit der Pflanzen- und Tierhaltung immer mit eurem Händler oder Tierarzt abgeklärt werden. Sollte dies nicht möglich sein und dir es darüber hinaus nicht gelingen eine Unverträglichkeit auszuschließen, solltest du notfalls zum Wohl der Tiere natürlich stets auf die Pflanzen verzichten. Auch, wenn es schwerfällt!

pfeilgiftfrosch
Grafik: Frösche sind beliebte Terrarienbewohner. Die Möglichkeit des Tierbesatzes in Karnivoren-Terrarien, hängt neben der Vereinbarkeit der Kulturbedingungen vor allem mit der Art der Fallen und der größe der Fallenöffnungen der Pflanzen ab.
Welche Begleitpflanzen bieten sich an?

Vor allem bei direkt bepflanzten Terrarien eignen sich eine Vielzahl an Begleitpflanzen, um den gewünschten Dschungel-Look zu kreieren. Allerdings sollten logischerweise auch hier die Kulturbedingungen mit denen der Hauptpflanzen übereinstimmen. Während sich bestimmte Farnarten, wie kleinwüchsige Varianten des Schwertfarn (Nephrolepis spec.) und bodenwüchsige, aber rankende Orchideen wie die Vanille (Vanilla planifolia) hervorragend für die Bodenbepflanzung an freien Stellen eignen, lassen sich mit Tillandsien (Tillandsia usneoides…), Bromelien (zB. Neoregelia spec., Bromelia reducta…) und epiphytischen Orchideen-Arten (Mediocalcar spec., Lepanthes spec., Schoenorchis scolopendria, Macodes peltata…) die Höhe und Tiefe des Terrariums, sowie die Seitenwände optisch gestalten. Größere Pflanzen sollten hierbei vor allem seitlich angebracht werden, um einen ausreichenden Lichteinfall und eine relativ gleichmäßige Lichtverteilung zu gewährleisten. Kultiviert man jedoch Arten zusammen, deren Lichtanspruch sich relativ stark voneinander unterscheidet, lassen sich mit der gezielten Platzierung der Pflanzen auch unterschiedliche Lichtzonen erzeugen, die sich wiederum für die Platzierung bestimmter anderer Arten perfekt eignen. In direkt bepflanzten Schau-Terrarien helfen Begleitpflanzen mitunter also immens dabei, die passenden Vegetationsbedingungen zu erzeugen. Starke Bepflanzung führt allerdings auch einer deutlich verminderten Luftumwälzung, die es unter Umständen manuell auszugleichen gilt. Am sichersten gestaltet sich die Anlage aufwändigerer Terrarien demnach bei stufenweiser Bestückung über einen längeren Zeitraum. Je nach Größe sogar über einige Monate.

Welches Substrat benötige ich?

Durchforstet man das deutschsprachige Forum der Gesellschaft für fleischfressende Pflanzen e.V. so wird man feststellen, dass zwar zahlreiche unterschiedliche Meinungen zu Substraten in Topfkultur existieren, bei der Wahl von Substraten für das Terrarium jedoch scheinbar kaum Diskussionsbedarf besteht. Reiner Torf mit einer Bedeckung aus lebendem Torfmoos (Sphagnum spec.) eignet sich ebensogut wie übliches Standard-Substrat aus Torf*, Sand und Kies (und eventuell Perlite*).
Die Zusammensetzung des Substrates kann und sollte je nach Artenbesatz angepasst werden. Für Drosera-Terrarien etwa, eignen sich Substrate mit einem erhöhten Sandanteil.
Verwendet man torfhaltige Subsrate in Verbindung mit hohen Wasserständen (etwa beim Aqua-Scaping), so sollte beachtet werden, dass die Huminsäuren des Torfes das Wasser relativ stark trüben können. Bis auf die Wassertrübung entstehen durch Huminsäuren jedoch keine Schäden oder Beeinträchtigungen. Ganz im Gegenteil – Für Pflanzen und Tiere sind sie sogar förderlich und fördern neben dem Wohlbefinden der Lieblinge auch ein artgerechtes Wachstum.
Für detailliertere Informationen zum Thema Huminsäuren im Aqua-Scaping empfehlen wir die verschiedenen Artikel aus der Aqua-Scaping-Wiki der Seite Aquasabi.de.
Überraschenderweise konnten wir während unserer Recherche kaum direktbepflanzte Terrarien ermitteln, bei denen die Bepflanzung auf Grundlage von torfreduzierten Substraten erfolgte.
Lediglich bei der Topfkultur im Terrarium arbeitet man mittlerweile scheinbar bereits sehr gerne mit mineralischen Substraten, etwa aus Kanuma, Akadama, Bims und Lavabruch, bzw. deren Gemischen*. Oftmals werden diese Substrattypen auch in Verbindung mit etwas Torfmoos (Sphagnum spec.) eingesetzt. Kanuma und Akadama stammen ursprünglicherweise aus Asien, wo sie bereits seit vielen Jahren erfolgreich in der Bonsai-Kultur eingesetzt werden. In jedem Falle weisen solche Substrate einen deutlich höheren Luftanteil im Substrat auf, verringern das Risiko für Staunässe und können somit gerade unter dauerfeuchter Umgebung deutlich positiv auf die Pflanzen wirken.

Benötige ich eine Drainageschicht?

Eine Drainageschicht, wie sie meist empfohlen wird, ist nicht zwingend erforderlich, kann jedoch dabei behilflich sein, die Substratsättigung mit Gießwasser besser einschätzen zu können.
Gerade bei starkem Moos- oder dichtem Pflanzebesatz lässt sich diese mitunter nämlich nicht immer umnittelbar über den optischen Eindruck ermitteln.
Drainageschichten erfüllen jedoch nur dann ihren Einsatzzweck (drain = englisch für abtropfen, entwässern), wenn das Gefäß der Flüssigkeit an der unteren Seite ermöglicht, vollständig – ohne verbleibenden Wasserstand – abzulaufen!
Bei starker Wässerung in geschlossenen Gefäßen wie Terrarien oder Töpfen kann durch die Anlage einer Drainageschicht auch das Gegenteil des gewünschten Effektes eintreten, da durch die Drain-Schicht auch das Substratvolumen verkleinert wird und dem Wasser im Gefäßboden folglich mehr Raum geboten wird. Außerdem trocknen die verschiedenen Schichten auch unterschiedlich ab, wodurch sich Restwasserbestände in der Drainageschicht ansammeln können, die Raum für die Vermehrung von Schaderregern bieten, bei längerfristigem oder gar dauerhaftem direkten Wurzelkontakt jedoch auch zu unmittelbaren Wuchsschäden oder dem Abssterben der Pflanzen führen können. Von der Verwendung von Drain-Schichten in geschlossenen Töpfen ist daher unbedingt abzusehen und bei der Topfkultur nur bei Verwendung von offenen Tischen, Böden oder Untersetzern zu empfehlen, wenn das überschüssige Restwasser nach der Wässerung zeitnah und vor allem regelmäßig  abgelassen wird.
Entscheidet man sich für die Anlage einer Drainageschicht in Terrarien sollte man aus den bereits genannten Gründen daher stets mit Bedacht wässern und die Ansammlung von überschüssigem Wasser im unteren Gefäßbereich vermeiden. Hilfreich für die Bewässerung sind hierbei auch größere Drucksprüher* oder speziell auf Terrarien angelegte Beregnungsanlagen*.

Glas oder Plexiglas?

Bei der Auswahl des passenden Gefäß-Modells stößt man zwangsweise auf verschiedene Ausgangsstoffe, die mit unterschiedlichen Vor- und Nachteilen einhergehen. Die wohl verbreitetesten Modelle bestehen aus Glas und besitzen neben Schiebetüren im Frontbereich an der Oberseite zumeist ein Gitterblech zur Lüftung. Glas weist eine relativ hohe Transmission auf und ist bedingt durch seine glatte Oberfläche sehr pflegeleicht. Eine Vergilbung des Materials findet meist nur sehr sehr langsam statt. Allerdings kennzeichnet sich Glas auch durch ein relativ hohes Eigengewicht, wodurch der Transport des eingerichteten Terrariums erschwert, oder je nach Größe sogar unmöglich wird. Der Transport von Glasterrarien stellt sowohl in Einzelteilen, als auch in Endmontage stets ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar, da zu jedem Zeitpunkt mit erhöhter Bruchgefahr zu rechnen ist. (Wusstest du eigentlich bereits, dass Glas kein Feststoff, sondern eine Flüssigkeit ist?!)

Plexiglas-Terrarien hingegen, zeichnen sich zwar durch eine relativ starke Bruchsicherheit aus, können mit der Zeit allerdings mehr oder weniger stark vergilben und weisen je nach Dicke auch etwas schlechtere Transmissionswerte auf, wodurch sich bei den Pflanzen folglich dann auch eine schlechtere Lichtausbeute ergibt. Vorteilhaft an Plexiglas-Terrarien sind allerding die vielfältigen Möglichkeiten der Gestaltung, da hier wenige fertige Modelle existieren und sich die Platten relativ einfach ganz nach Wunschmaßen zuschneiden und anschließend kombinieren lassen. Beim Zusammenbau sollte jedoch auf jeden Fall darauf geachtet werden, salz- und schadstofffreies Silikon (etwa Aquarien-Silikon) zu verwenden und ausreichende Maßnahmen für die Belüftung einzuplanen!
Neben der erhöhten Bruchsicherheit, zeichnet sich Plexiglas darüber hinaus durch einen geringeren Wärmedurchgangskoeffizient aus (Plexiglas = 5,3 W/(m²K); Glas = 6,5 W(m²/K)). Der Wärmedurchgangskoeffizient ist ein Maß für die Wärmemenge, die vurch ein Bauteil von 1m² Fläche in Abhänigkeit von der Zeit und vom Temperaturunterschied (von der warmen zur kalten Seite) abfließt. Konkret bedeutet dies also, dass sich die Temperatur im Inneren des Terrariums länger hält, bzw. weniger Wärmeenergie nach außen hin abgegeben wird. Die Isolierwirkung ist also besser. Besonders bei beheizten oder gekühlten Terrarien, lassen sich mit dem gezielten Einsatz von Plexiglas demnach wertvolle Betriebskosten einsparen.

Grow-Boxen

Eine weitere Kulturmöglichkeit stellen sogenannte „Grow-Boxen“ dar. Hierbei handelt es sich um zeltartige Boxen, in deren Inneren die Pflanzen (je nach technischer Ausstattung) unter kontrollierten Bedingungen wachsen und gedeihen können. Grow-Boxen eignen sich vor allem, um möglichst viele Pflanzen auf geringem Raum zu kultivieren, da sie bei entsprechender Höhe bei der Verwendung von Regalsystemen meist die Möglichkeit bieten, mehrlagig zu arbeiten. Durch ihren platzsparenden Aufbau und das relativ gering ausfallende Eigengewicht, lassen sich diese Systeme auch mühelos in die Heimeinrichtung (etwa in Schränke) integriereren. Nachteilig ist allerdings, dass Grow-Boxen in den allermeisten Fällen über keine Sichtfenster verfügen und die Pflanzen demnach nur bei manueller Öffnung sichtbar sind. Für das Heim-Dschungel-Feeling eignen sich diese Modelle daher weniger. Die komplette Abschottung vom Tageslicht erfordert darüber hinaus auch deutlich höhere Belichtungswerte. Da im gleichen Zuge jedoch auch kaum Licht nach außen hin abgestrahlt wird, ist die Lichtausbeute der Pflanzen meist auch höher. Vor allem großwüchsige Arten wie einige Kannenpflanzenarten, lassen sich in den Box-Systemen hervorragend kultivieren, die aus diesem Grunde vor allem preislich mitunter eine bemerkenswerte Alternative zur Kultur in größeren Terrarien darstellen.
Da das Volumen dieser Modelle von kleinen 1×1-Meter-Boxen bishin zu ganzen Raumgrößen drastisch variiert, lassen sich bei entsprechender Flächenverfügbarkeit auch größere Sammlungen problemlos an einem Ort zusammen kultivieren.

Aquascaping

Gerade in den letzten Jahren zeichnet sich unter den Pflanzenfreunden ein regelrechter Trend zu „grünem Design“ ab, der sich neben der Terraristik-Szene und der Erstellung von Hermetosphären hauptsächlich im Bereich des sogenannten „Aquascaping“ bemerkbar macht. Hierbei handelt es sich um die aquariumbasierte Gestaltung von Wasserlandschaften und Wasserwelten. Im Gegensatz zu üblichen Pflanzen-Terrarien liegt hier also ein deutlich höheres Feuchteniveau zu Grunde, das je nach Anteil an „Landmasse“ auch unterschiedliche Feuchtezonen generiert, die sich wiederrum hervorragend mit bestimmten Karnivoren bestücken lassen.
Der Wasserschlauch (Utricularia spec.) etwa, eignet sich bestens für dauerfeuchte Uferzonen, die bereits in relativ kurzer Zeit von der Pflanze überwuchert werden und anschließend zahlreiche Blüten zum Vorschein bringen. Besonders schön machen sich hierbei Arten wie Utricularia sandersonii, U. livida oder U. bisquamata. Etwas trockenere, aber dennoch feuchte Stellen können mit tropischen und südafrikanischen Sonnentauarten (Drosera capensis, D. aliciae, D. venusta, D. admirabilid, D. graomogolensis…) bestückt werden. Von der Innenraum-Kultur von Wasserfallen (Aldrovandra vesiculosa) und aquatischen Utricularia, wird auf Grund der anspruchsvollen Kulturbedingungen jedoch abgeraten.
Neben üblichen Aquarien existieren in der Aquascaping-Szene mittlerweile teils ausgeklügelte Modelle, die eine perfekte Präsentation, abgestimmt auf die jeweiligen Kulturmethoden, ermöglichen.
Trotzdessen dass übliche Terrarienmodellen meist deutlich größere Volumina bieten, liegen diese Spezialmodelle allerdings in einem ähnlichen – wenn nicht sogar moderat höherem – Preisbereich.
Da je nach Wasseranteil auch regelmäßige Wasserwechsel und Wasserpflegemaßnahmen durchzuführen sind, gestaltet sich der Aufwand solcher Anlagen auch deutlich höher, weshalb wir diese Kulturmethode nur für Karnivoren-Züchter mit Vorkenntnissen in der Kultur empfehlen würden.

Hermetosphären

Möchte man nur eine geringe Anzahl an kleinwüchsigen Arten wie Sonnentau (Drosera spec.) oder Fettkräuter (Pinguicula spec.) kultivieren, eignen sich mitunter auch sogenannte Hermetosphären – kleine dauerhaft geschlossene Gläser, in denen sich eigenständig ein eigenes System bildet, welches kaum Pflege oder Wartung bedarf. Für die Kultur von Fettkräutern sollte auf Grund des geringen Anspruchs an die Luftfeuchte und die damit einhergehend erhöhte Schimmelgefahr, jedoch lieber auf geöffnete Gefäße (oder für größere Anlagen gar auf Aquarienbecken) zurückgegriffen werden.
Für diese relativ unscheinbaren Klebefallen mit wirklich bezaubernden Blüten, eignen sich jedoch auch größere Tonschalen zur Bepflanzung des Fensterbretts. Durch den geringen Platzbedarf eignen sich Hermetopshären auch besonders gut für die Fensterbankkultur oder die Platzierung an helleren Regalstellen mit direktem Sonnenlicht (Kleiner Nachtrag: Natürlich sollten Hermetosphären jedoch niemals über längere Zeit vollsonnig gehalten werden, da vor allem geschlossene Gefäße schnell zum Überhitzen neigen. Den Standort sollte man dementsprechend besser etwas lichtärmer wählen, als es bei gewöhnlicher Kultur üblich ist.). Allerdings kann es je nach Artenzusammenstellung vor allem auch in lichtärmeren Monaten nötig sein, mit Zusatzbelichtung zu arbeiten. Günstige LED-Modelle* mit relativ geringem Photonenfluss sind hierbei meist völlig ausreichend.
Mit der Erstellung von Hermetosphären und ähnlichen Gefäßen wollen wir uns zukünftig auch noch einmal in einem gesonderten Beitrag befassen.

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Was benötige ich für die Terrarienkultur?

Ist man sich nun über die Auswahl der Pflanzen, deren Kulturbedingungen und die entsprechende Präsentationsform im Klaren, kann die detaillierte Planung des Terrariums beginnen.
Neben der Art des Gefäßes und der zugehörigen Bepflanzung, sollte man auch die technische Ausstattung, etwa die Belichtungsmodule, Luftzirkulation und gegebenenfalls Bewässerungsanlagen,  Temperatur- und Feuchtesensoren und im Falle eines Hochland-Terrariums auch Kühlanlagen bedenken, die sich je nach Kulturmethode und Wunschumfang nochmals recht deutlich in den Investitionskosten niederschlagen.
Die Auswahl des Belichtungsmoduls ist sowohl vom Lichtbedarf, als auch vom einfallenden Tageslicht abhängig. Die Vielzahl an aktuell auf dem Markt befindlichen Modellen und der rasche Zuwachs an Geräten erlauben an dieser Stelle keine konkreten Empfehlungen. Bei generellem Interesse für das Thema der Belichtung empfehlen wir jedoch unsere Beiträge zu den Grundlagen der Belichtung von Pflanzen #2 und Grundlagen der Belichtung von Pflanzen #1.

Ventilation

Sollte das Gefäß nicht über ausreichende Lüftungsmöglichkeiten der freien Lüftung verfügen (Öffnungen, Lüftungsschlitze, Gitterbleche…), ist der Einsatz eines Ventilators empfehlenswert, um eine bessere Luftumwelzung zu erzeugen, als auch den Luftaustausch anzuregen. Hier bieten sich sowohl ausgediente PC-Ventilatoren, als auch kostengünstige USB-Ventilatoren* an. Die Platzierung sollte derartig erfolgen, dass aufsteigende warme Luft nicht nur verwirbelt wird, sondern auch ungehindert abziehen kann. Zur simultanen Versorgung mit Frischluft sollte der Ventilator hierbei lediglich einseitig in Querrichtung angebracht werden, damit die erwärmte Luft auf der des Ventilators gegenüberliegenden Seite entweichen kann und sich auf Seite des Ventilators durch ein entstehendes Druckgefälle eine Art Sogwirkung einstellt, die wiederum für den Einfall von Frischluft sorgt (vorrausgesetzt die Position der Lüftungsöffnungen lässt dies zu).
Bei Fertig-Terrarien sind die Belüftungsmöglichkeiten meist ausreichend, sodass oft keine zusätzlichen technischen Erfordernisse vorliegen. Lediglich die Kultur in Grow-Boxen erfordert durch die hohe Dichte des Materials und die starke Abschottung relativ umfangreiche Belüftungsmaßnahmen. Fällt die Wahl auf solche Modelle ist es empfehlenswert, die Zu- und Abluftsysteme getrennt voneinander zu gestalten. Die notwendige, auszutauschende Luftmenge und die Dimensionierung der Anlage müssen im Vorfeld präzise ermittelt werden, um einen Erfolg zu garantieren. Allerdings existieren auch hier bereits etliche auf die jeweiligen marktüblichen Volumen abgestimmte Modelle, die die Arbeit deutlich erleichtern oder gar ganz abnehmen.

Kühlungssysteme

Etwas schwieriger gestaltet sich bereits die Planung des Kühlmechanismus, da eine Ventillation allein keine Absenkung der Innentemperatur unterhalb der Außentemperatur ermöglicht.
Neben passiven Kühlungsmethoden, die vorwiegend auf der Abkühlung der Umgebungstemperatur beruhen (etwa die Platzierung an einem geöffneten Fenster oder im Keller) und daher stark von relativ unkontrollierbaren Außenbedingungen abhängig sind, existieren zahlreiche aktive Kühlungsmethoden mit variierendem Installations-, Wartungs- und Kostenaufwand. In den folgenden Abschnitten möchten wir daher nun kurz und knapp auf einige grundlegende Kühlungsmöglichkeiten eingehen.

Wasserdampfsättigungskurven
Grafik: Wasserdampfsättigungskurven der Luft (© Achim Christoph)
Umlaufkühler

Für die Kultur von Hochland-Nepenthes und anspruchsvollen Sumpfkrügen, stellen Umlaufkühler, die auch im Bereich der Getränkekühlung Verwendung finden, den wohl am häufigsten verwandten Kühlmechanismus dar. Prinzipiell wird bei dieser Methode duch die Vorrichtung gekühltes Wasser aus einem (isolierten) Vorratsbehälter über Rohrverbindungen und einem rostfreies, metallisches und meist schlangenförmig gebogenes Kühlrohr (welches im Terrarium als Wärmetauscher fungiert) im Kreislauf zirkuliert. Die Kühlwirkung beruht hierbei auf thermodynamischen Grundprinzipien. Bei Inbetriebnahme des Umlaufkühlers herrscht im Terrarium zwischem dem gekühlten Wasser (bzw. dem Rohr, welches als Wärmetauscher fungiert) und der warmen Innenraumluft ein Temperaturunterschied, welcher physikalisch ausgeglichen wird, wobei sich der Wärmefluss immer von der Wärmequelle zur Wärmesenke (in dem Falle von der Luft zum Wasser) einstellt (2. Hauptsatz der Thermodynamik). Die Wärmeenergie wird also von der Luft auf das Wasser übertragen, welches in den Kreislauf zurückgerät und vor einer erneuten Einspeisung in die Leitungen erneut gekühlt wird.
Ein großer Nachteil an Umlaufkühlern besteht neben den hohen Investitionskosten und dem relativ hohen Platzbedarf vor allen in den hohen Betriebskosten. Da während der Betriebszeit, die bei der Terrarienkühlung meist in die Nachtzeiten fallen, darüber hinaus auch mit markanter Geräuschentstehung zu rechnen ist, könnte sich eine Platzierung dieser Modelle im Schlafbereich ebenfalls deutlich negativ auf das Wohlbefinden während des Schlafs ausüben. Bei der Planung dieser Art von Terrarien sollte dieser Fakt daher stets beachtet werden, um spätere unangehme Überraschungen zu vermeiden.

Eisflaschen

Eine ähnliche Kühlwirkung, lässt sich durch das abendliche Einhängen von im Froster vorgekühlten Eisflaschen erzielen. Allerdings sollte bei dieser Methode ein ausreichend großer Abstand zu den Pflanzen gewahrt werden, um mögliche Frostschäden zu vermeiden. Bei der Eisflaschenmethode macht man sich den Energieentzug (aus der warmen Luft) zu Nutze, der beim Schmelzen des Eises entsteht. Denn physikalisch betrachtet wechselt Eis beim schmelzen den Aggregatzustand von fest zu flüssig, wozu eine bestimmte Menge Energie benötigt wird. Zum Schmelzen einer Eismenge von 1kg Gewicht und einer Temperatur von etwa 0°C, wird zum Beispiel eine Energiemenge von 334kJ benötigt (0,093 kWh) [1]. Kennt man die benötige Energiemenge (Kühlleistung), lässt sich die notwendige Eismenge ganz einfach rechnerisch ermitteln. Oder man tastet sich experimentell an die gewünschte Temperatur heran.
Neben dem täglichen Wechsel der Flaschen setzt diese Kühlmethode allerdings auch einen ständig freien Platz im Froster vorraus und eignet sich durch den relativ aufwändigen Flaschenwechsel eher weniger für längere Abwesenheitszeiten. Vorteilig ist allerdings, dass die Investitionskosten nahezu entfallen und keine zusätzlichen Betriebskosten entstehen, sollte der Platz im Froster zur Verfügung stehen.

Peltier-Elemente

Neben der Eisflaschen-Methode und der Verwendung von Umlaufkühlern, stehen darüber hinaus auch Peltier-Elemente zur Verügung, wie sie vor allem auch in Kühlboxen verbaut sind. Hierbei handelt es sich um elektrothermische Wandler, was bedeutet, dass bei Stromdurchfluss eine Temperaturdifferenz an der Oberfläche des Gerätes erzeugt wird. Während an der einen Seite des Geräts Wärmeenergie entzogen wird, wird sie an der anderen Seite des Geräts zugeführt. Peltier-Elemente können also demnach zur Heizung und zur Kühlung verwendet werden, besitzen allerdings auch extrem schlechte Wirkungsgrade. Die Betriebskosten solcher Modelle sind daher sehr hoch.
Da beim Betrieb von Peltier-Elementen in Terrarien jedoch meist fast ausschließlich eine Kühlwirkung erzielt werden soll, ist es notwendig die Geräte derartig zu platzieren, dass die erwärmte Geräteseite außerhalb des Terrariums liegt. Für den Einbau dieser Geräte sind also meist umfängliche Umbau oder Anpassungsmaßnahmen nötig. In einigen Fällen muss eine entsprechende Öffnung in das Material gebohrt, bzw. geschnitten werden, wodurch das Gefäß unwiderruflich verändert/beeinträchtigt wird. Im Anbetracht der umständlichen Montage und der hohen Betriebskosten sind Peltier-Elemente letztendlich eher weniger zu empfehlen, können bei kleineren Terrarien jedoch eine alternative zu anderen Kühlungsmethoden darstellen.

Adiabate Kühlung/Mattenkühlung

Für die Kultur im Gewächshaus oder in besonders groß ausgelegten Grow-Box-Modellen steht darüber hinaus die Methode der adiabaten Kühlung zur Verfügung. Auch bei dieser Methode macht man sich den Effekt der Verdunstungskühlung zu nutze. Allerdings erfordern Mattenkühlungen auch einen entsprechenden Platzbedarf und eine einseitig geöffnete Stehwand, die durch das Kühlsystem ersetzt wird. Auf der gegenüberliegenden Seite sollten für einen optimalen Luftstrom darüber hinaus entsprechende Abzugsmöglichkeiten bestehen. Systeme der Mattenkühlung bestehen im Grunde aus einem luftdurchlässigen Rippensystem, welches von einem konstanten Wasserfilm oder Sprühnebel überzogen wird.
Wärmere Außenluft wird anschließend über diese Rippen in das Gewächshaus eingeleitet, wodurch das Wasser die Wärmeenergie der umströmenden Luft aufnimmt, dabei verdunstet und eine Kühlwirkung im Gewächshausinneren erzeugt.
Beim Einsatz adiabater Kühlsysteme sollte man allerdings beachten, dass sich über die Raumlänge sowohl unterschiedliche Temperaturzonen, als auch Zonen mit unterschiedlichem Gehalt an relativer Luftfeuchte einstellen, wobei die Temperatur mit zunehmendem Abstand ansteigt und die rel. Luftfeuchte mit zunehmendem Abstand sinkt. Die Ursache dieses Umstandes liegt ganz einfach in der Tatsache, dass wärmere Luft mehr Wasser aufnehmen kann und demnach langsamer gesättigt wird als kältere Luft. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass es bei warmen Lufttemperaturen mit einer hohen relativen Luftfeuchtigkeit nahezu unmöglich ist, die Temperatur über die Verdunstung von weiterem Wasser abzukühlen, da die kühle Luft nicht in der Lage wäre, die benötigten Wassermengen aufzunehmen. In der Praxis beruft man sich für die Ermittlung der für die Verdunstungkühlung notwendigen Parameter daher zunächst dem Mollier-h-x-Diagramm, welches es ermöglicht Zustandsänderungen (wie Erwärmung, Kühlung, Befeuchtung, Entfeuchtung) verschiedener Luftmengen zu beschreiben.

Nebel-Geräte („Nebler“)

Die Wirkungs durch Verdunstungskühlung, die mit der Verwendung von Nebel-Geräten einhergeht, ist leider meist zu gering um eine Kühlwirkung zu erzielen. Auch wenn in einigen Threads verschiedener Foren von geringen Temperaturdifferenzen von wenigen Grad Celsius berichtet wird – meist sind diese Geräte nicht einmal stark genug um die Luftfeuchtigkeit nachhaltig zu erhöhen! Vor allem Ultraschallvernebler sind für diesen Zweck auf keinen Fall zu emfpehlen. Zur Erhöhung der Luftfeuchte sollten Beregnungsanlagen* mit möglichst feinen Düsen verwendet werden. Alternativ lässt sich auch manuell sprühen (etwa mit handelsüblichen Sprühflaschen). Nebler eignen sich daher ausschließlich für dekorative Zwecke. Bei gezieltem Einsatz lassen sich mit Neblern allerdings auch mystische Stimmungen erzeugen, die dem Terrarium den letzten Kick verleihen.

Messgeräte

Da eine sichere Kultur auch die Überwachung verschiedener Haltungsparameter beinhaltet, sollte man bei der Anlage des Terrariums unter Umständen auch den Einbau von Messgeräten beachten. Sensoren zur Überwachung der Luftfeuchtigkeit (Hygrometer) und Temperatur (Thermometer) sowie Kombinationsgeräte beider Messgrößen (Kombimeter) kommen zu diesem Zwecke am häufigsten zum Einsatz. Etwas aufwändigere Schaltungen mit Mini-Computern (wie Raspberry Pi oder Arduino), die unter Umständen gleichzeitig auch die Ansteuerung der elektrischen Systeme (wie Nebler, Beregnungssysteme, Heizungen/Kühlungen, Belichtungen) übernehmen, sind auch möglich.
Durch die hohe Anzahl an Sensorikgeräten unterschiedlicher Preisklassen sind bei der Ausgestaltung der Messtechnik derzeit kaum Grenzen gesetzt. Einfache, auf Terrarien ausgelegte Hygro- und Thermometer eignen sich genau so gut wie Spezialanfertigungen, wie beispielsweise das Kombimeter SensorPush.
Die Entscheidung über die Notwendigkeit und die Auslegung von Messtechnik, bleibt letztendlich jedoch jedem selbst überlassen.

Zusammenfassung

Auch ein Karnivoren-Terrarium ist kein Hexenwerk und lässt sich mit etwas Vorüberlegung und Recherche je nach technischem Anspruch relativ unkompliziert zusammenstellen.
Die Vielzahl an möglichen Kombinationen ermöglicht die Erstellung spannender Thementerrarien, solange die Kulturbedingungen der Pflanzen übereinstimmen und gewährleistet werden können.
Für unerfahrene Züchter fleischfressender Pflanzen empfiehlt sich die stückweise Gestaltung des Terrariums, um sich langsam mit den Kulturbedingungen vertraut zu machen.
Sicher wunderst du dich nach aufmerksamen Durchstöbern dieses Artikel über einige im Handel angebotene Fertig-Terrarien, bei denen einige Zusammenstellungen anzufinden sind, von denen wir in diesem Artikel höchstens abraten. Diese Produkte sind meist nur für die kurzzeitige Produktplatzierung im Geschäft oder einen spontanen, emotionalen Kauf ausgelegt und bieten keine langfristige Freude! Warum du deine Pflanzen daher lieber beim Fachhändler bestellen solltest und für eine hohe Qualität besser auf deinen Besuch im Gartencenter oder Baumarkt verzichtest, erklären wir dir in unserem Artikel über die besten Möglichkeiten Karnivoren einzukaufen.

Du benötigst:

Gefäße
Belichtungsmodul/e
Substrat
Bepflanzung inkl. Begleitpflanzen
Dekomaterial
opt. Rückwand
opt. Beregnung
opt. Feuchte-/Temperaturmesser
opt. Kühlmechanismus


Literatur, Quellenangaben und Verweise

1] ANON. (?): Eis – ein ganz besonderer Stoff. European Space Agency, Web-Veröffentlichung.
https://www.esa.int/SPECIALS/Eduspace_Global_DE/SEMKI7WWVUG_0.html [08.02.2021]

AKERET, B. (2018): Pflanzen im Terrarium – Anleitung zur Pflege von Terrarienpflanzen, zur Gestaltung naturnaher Terrarien und Auswahl geeigneter Pflanzen. Natur und Tier Verlag, 2. Auflage.

CAROW, T. und FÜRST, R. (1998): Fleischfressende Pflanzen: Artenübersicht – Kultur – Vermehrung. Verlag Thomas Carow. 11. Auflage.

HÜBNER, C. (2019): Terrariensteuerung per Smartphone. Das Taublatt – Die Karnivoren Fachzeitschrift der G.F.P., 2019/2, 86. 12-19.

Reiner, M. (2005): Kühlung: Viele Wege führen nach Rom – Manche aber auch nicht, Web-Veröffentlichung.
http://www.drosophyllum.com/deutsch/kuehlung.htm [08.02.2021]

 

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